1700, 1800, 1850 – die Zuschauerzahlen des Bundesliga-Superballs stiegen von Jahr zu Jahr an. Genauso wie die Vorfreude bei der HSG Konstanz vor der vierten Großveranstaltung zusammen mit dem SV Allensbach.


Nachdem die Drittliga-Damen ihr Spitzenspiel gegen Gröbenzell (17 Uhr) bestritten haben, wartet auf die HSG um 20 Uhr mit dem HC Empor Rostock beim Blick auf die Historie einer der traditionsreichsten und erfolgreichsten Vereine Deutschlands. Aktuell geht es für das Team aus der größten Stadt am Bodensee gegen das Schlusslicht jedoch um ganz wichtige Punkte im Kampf um den Klassenerhalt in der 2. Bundesliga.

Es knistert vor dem Saisonhighlight der beiden sportlichen Aushängeschilder der Region. Seit Wochen fiebern ganz Konstanz, der Hegau und die Bodenseeregion dem Termin entgegen. HSG-Cheftrainer Daniel Eblen schwärmt vom besonderen Event Superball und hat sich, wie alle Spieler der HSG Konstanz, bereits von der großen Vorfreude anstecken lassen: „Der Superball ist immer ein Erlebnis. Darauf freuen sich alle.“ Der A-Lizenzinhaber erklärt: „Hier herrscht immer eine ganz eigene Atmosphäre und es sind einfach sehr viele Leute in der Halle. Die Stimmung ist großartig, schon das Warmmachen findet vor vollen Tribünen statt – das ist schon besonders.“ Und auch Paul Kaletsch sprach stellvertretend für die Mannschaft bereits in der Vorwoche von einem ganz besonderen Kribbeln. „Wer sich da nicht freut, der macht irgendetwas falsch“, so der Führungsspieler, „das wird wieder mega geil.“

Doch bei aller Freude auf ein außergewöhnliches Event vor großer, besonderer Kulisse warnt Leistungsträger Kaletsch auch vor der nicht zu unterschätzenden Aufgabe gegen einen Gegner, der sich – trotz prekärer Tabellensituation – noch lange nicht aufgegeben hat. Das zeigen die letzten Spiele deutlich, denn in der Vorwoche musste man sich dem Tabellenzweiten Bietigheim nur knapp mit 22:25 geschlagen geben, in Emsdetten führte Rostock lange und teils deutlich, in Leutershausen verlor Empor nach langer Führung nur äußerst unglücklich und mit viel Pech ganz knapp mit 27:28. Auch gegen Hamm und Friesenheim unterlagen die Hansestädter lediglich mit drei Toren Differenz. So gab es in der Rückrunde zwar nur einmal Zählbares, aber nahe dran war der ruhmreiche HC Empor oft. Kaletsch: „Rein sportlich wird das ein Heimspiel wie andere auch. Wir müssen das gewinnen, das wissen wir und das wollen wir auch mit aller Macht. Wir haben gut gearbeitet und uns gut vorbereitet.“

Zehnmal DDR-Meister, siebenmal DDR-Pokalsieger, Europapokalsieger und sogar Vereins-Europameister – der HC Empor Rostock, er hat nach wie vor einen ganz großen Namen und eine beeindruckende Vergangenheit vorzuweisen. Der Verein aus der 206000 Einwohner zählenden Hansestadt an der Ostsee spielte auch nach der Wiedervereinigung zwei Jahre in der 1. Bundesliga und nun schon 22 Jahre im Bundesliga-Unterhaus. Eine Ära, die wohl bald – vorerst – zu Ende sein wird. Der Klassenerhalt ist nach einem großen Umbruch vor der Saison in weite Ferne gerückt – obwohl mit Vyron Papadopoulos (193 Tore) der mit großem Vorsprung beste Torschütze der 2. Handball-Bundesliga für die junge Mannschaft aus Mecklenburg-Vorpommern auf Torjagd geht. Der griechische Nationalspieler, der kommende Saison zum ASV Hamm-Westfalen wechseln wird, sorgt dabei meist auf Linksaußen für mächtig Betrieb, kann aber, wie in den letzten Partien, auch die Regie auf der Mittelposition übernehmen.

Zusätzlich spielen die ganz Jungen wie Julis Heil (95 Tore) und der erst 19-jährige Linkshänder Andre Meuser (84 Tore) eine gute Saison. Doch nachdem der extreme Tempohandball in der Hinrunde nicht zum gewünschten Erfolg führte, wurde Trainer Robert Teichert entlassen – kurz nachdem die HSG Konstanz im Hinspiel nach einer knapp 1000 Kilometer langen Anreise mit 33:28 triumphiert hatte. Dazu musste Geschäftsführer Sven Thormann gehen. In der kurzen Winterpause verpflichtete Empor dafür mit dem 2,06 Meter großen tschechischen Juniorennationalspieler Daniel Zourek – in der heimischen Extraliga für den Tabellenzehnten TJ Sokol Nove Veseli bis dahin 46 Mal in 15 Spielen erfolgreich – und dem Kroaten Kevin Lind für den Spielaufbau zwei Spieler nach. Dazu setzte die neue Geschäftsführung Hans-Georg Jaunich als Trainer ein. Der Handball-Olympiasieger von 1980 – mit der DDR-Nationalmannschaft – konnte das Ruder bislang aber auch nicht herumreißen.

Für Daniel Eblen ist dies kein Grund, den aufopferungsvoll kämpfenden Kontrahenten auf die leichte Schulter zu nehmen. „Wer es immer noch nicht verstanden hat, wie gut jede Mannschaft in der zweiten Liga ist, dem kann ich auch nicht mehr helfen. Jeder sollte mittlerweile gelernt haben, dass in dieser Liga der Tabellenplatz rein gar nichts über die Stärke der Teams aussagt, das sehen wir Woche für Woche.“ Selbst Tabellenführer TuS N-Lübbecke musste dies leidvoll erfahren und ging in Rostock mit 25:29 unter. „Wir müssen von Anfang an hochkonzentriert sein“, warnt Eblen und fordert nach der erwarteten Rückkehr des zuletzt aufgrund eines Infekts ausgefallenen Simon Flockerzie eine stabile Deckung. „Oft entscheiden Kleinigkeiten – und in jedem Spiel werden die Karten neu gemischt. Ich rechne daher mit einer engen Partie, wo wir schnell Zugriff in der Abwehr und Sicherheit für den Angriff benötigen. Rostock spielt ein gutes Tempo, davor ist Achtung geboten.“

Selbst vor dem dicht getakteten Plan über Ostern will sich Eblen die Vorfreude nicht trüben lassen, denn nach Training am Freitag, Superball am Samstag, Vorbereitung auf die TSG-Ludwigshafen-Friesenheim am Sonntag und schon dem nächsten Spiel des Doppelspieltages am Ostermontag beim Tabellensechsten bleibt nicht viel übrig vom Osterfest und Zeit für die eigene junge Familie. „Damit müssen wir umgehen, das ist unsere Aufgabe“, sagt der 42-jährige Familienvater, der sich für die Strapazen am liebsten mit ein paar Punkten im Osternest belohnen würde. „Spiele in der 2. Bundesliga bewegen sich alle auf einem sehr hohen Niveau“, verspricht Eblen ein tolles Superball-Event mit Spitzensport, „und dazu kommt die grandiose Stimmung, von der man sich mitreißen lassen kann und die allen unglaublich viel Spaß macht.“ Das Duell mit dem seit sieben Heimspielen ungeschlagenen Aufstiegsaspiranten Friesenheim ist da „ein Bonusspiel. Vielleicht würfelt der Doppelspieltag ja noch einmal einiges durcheinander und wir haben eine kleine Chance bei dieser heftigen Aufgabe innerhalb von zwei Tagen.“

Die Tageskassen für den Superball am Samstag öffnen um 15 Uhr. Tickets kosten 20 Euro, 15 Euro für Ermäßigte. Vor dem Spiel wird die neue HSG-Hymne zum ersten Mal präsentiert. Ab 22 Uhr startet im Foyer der Halle die Players-Night mit Barbetrieb. Aufgrund des großen Zuschauerandrangs bitten die Veranstalter – neben den nicht ausreichenden Parkplätzen direkt an der Schänzle-Sporthalle – dringend auf den Großparkplatz am Bodenseeforum auf der nördlichen Seite der Schänzlebrücke auszuweichen.

Weitere Informationen unter: www.hsgkonstanz.de


2. Handball-Bundesliga:
HSG Konstanz – HC Empor Rostock
(Samstag, 20 Uhr, Schänzle-Sporthalle)
TSG Ludwigshafen-Friesenheim – HSG Konstanz
(Montag, 17 Uhr, Friedrich-Ebert-Halle Ludwigshafen)

HSG Konstanz

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