Seit eineinhalb Jahren hatte der Neusser HV in der 3. Liga nicht verloren und mit beeindruckenden 59:1 Punkten die Westdeutsche Meisterschaft erspielt.

Nun, als Zusammenschluss HSG Neuss-Düsseldorf, dessen mit großem Etat ausgestattete Zweitliga-Profimannschaft als „Rhein Vikings“ firmiert, musste sich das ambitionierte Projekt, das möglichst bald in die erste Bundesliga geführt werden soll, im ersten Zweitligaspiel deutlich mit 20:30 bei der SG BBM Bietigheim geschlagen geben. Für die HSG Konstanz wird die Aufgabe in Düsseldorf am Samstag, 19 Uhr, dadurch nicht leichter.

Denn dank des umstrittenen Hauptsponsors Rheinmetall (Automobilzulieferer und Rüstungskonzern) ist der Kader überaus prominent besetzt. Ist der Verein zwar nach einigen vergeblichen Anläufen, in der Landeshauptstadt Nordrhein-Westfalens Bundesliga-Handball zu etablieren, ein absoluter Neuling in Liga zwei, in der sehr erfahrenen Mannschaft selbst verfügen nahezu alle Spieler über reichlich Erst- und Zweitligaerfahrung. Alleine die nach dem Aufstieg verpflichteten Neuzugänge Alexander Oelze (33), Nils Artmann (26) und Christian Hoße (28) kamen vom Erstligisten Bergischer HC, dazu Teo Coric (25) vom TVB Stuttgart ebenfalls aus Liga eins und Andreas Bornemann vom Zweitliga-Absteiger TV Neuhausen.

HSG-Cheftrainer Daniel Eblen möchte deshalb die 20:30-Niderlage in Bietigheim nicht überbewertet wissen. „Wenn Bietigheim einen guten Tag hat, können sie jeden Gegner der Liga herspielen. Das Ergebnis der Vikings sagt daher über deren Leistungsfähigkeit sehr wenig aus.“ Vielmehr hat er einen sehr spielstarken Gegner beobachtet, der von den erfahrenen Mittelmännern Alexander Oelze und Daniel Pankhofer (36, ehemals Lübeck-Schwartau) profitiert. „Dazu kommen dynamische Linkshänder und gutes Niveau auf allen Positionen, egal ob Außen, Kreis oder Torhüter.“

Die knapp 600 Kilometer in die 612 000-Einwohner-Metropole geht die HSG Konstanz in zwei Etappen an. Bereits am Freitagmittag startet der Mannschaftsbus Richtung Zwischenquartier in Haan. „Es wird schwer, aber an einem guten Tag können wir auch dort mitspielen“, sagt Daniel Eblen und erklärt, worauf es ankommen wird: „Neben unserer Abwehrstärke müssen wir im Angriff die Geschwindigkeit und Kaltschnäuzigkeit im Abschluss verbessern.“ Zumindest vom ersten Durchgang gegen Hamm zeigte er sich auch nach der Videoanalyse sehr angetan. „Daran können wir anknüpfen, denn mit etwas mehr Trefferglück sieht das ganz gut für uns aus.“

Bei der schweren Aufgabe, bei der spannend zu beobachten sein wird, wie Düsseldorf mit der ersten Niederlage nach so langer Zeit umgehen wird, kann sich Konstanz jedenfalls auf große Unterstützung von den Rängen freuen. Unweit der alten Heimat des Sportlichen Leiters  und Co-Trainers Andre Melchert sowie des neuen Spielmachers Tom Wolf werden zahlreiche Schlachtenbummler erwartet, die es mit den Gästen vom Bodensee halten. „Eine tolle Sache“, freut sich Eblen, „das ist immer schön und hat schon einen Einfluss auf das Leistungsvermögen.“ Das der eigenen Mannschaft stuft er als ordentlich ein, wobei er die Abschlussschwäche und in der zweiten Halbzeit fehlenden Schwung und einige falsche Entscheidungen moniert, während die Abwehrarbeit überzeugend war.

„Man muss aber auch bedenken, dass Hamm sich gut auf uns eingestellt hat und mit dieser starken Mannschaft sicher ein gute Rolle spielen wird“, so Eblen, der das erste Spiel realistisch einordnen möchte. „Es war ja klar, dass wir zu Saisonbeginn noch nicht eingespielt sind.“ Etwas Enttäuschung, dass der dennoch greifbare Punktgewinn nicht errungen werden konnte, musste in der Trainingswoche zwar verarbeitet werden, doch Eblen sieht darin vielmehr einen Beleg, dass sich sein Team auf einem guten Weg befindet. Viel wurde in dieser Woche bei der HSG Konstanz miteinander gesprochen. Denn, so der 42-jährige A-Lizenzinhaber, die Kommunikation untereinander auf dem Spielfeld und zwischen Mannschaft und Trainerteam müsse intensiv sein. „Wir müssen ganz eng zusammenarbeiten, wir stehen vor einer großen, ungewohnten Herausforderung.“ War der Kader vor allem im Rückraum bisher eher dünn besetzt, so verfügt die HSG im insgesamt fünften Zweitligajahr nun über ein großes, breites Aufgebot, doch „dafür sind viele Junge dabei, die über keine Zweitligaerfahrung verfügen.“

In Düsseldorf erwartet die Gelb-Blauen vom Bodensee eine Herkulesaufgabe, denn  die Vikings wollen, so die Absicht in der siebtgrößten Stadt Deutschlands, die „Heimpremiere mit einem Sieg veredeln“. „Wir haben die Dinge analysiert, die wir nicht gut gemacht haben, und werden versuchen, diese gegen Konstanz abzustellen“, sagt Vikings-Trainer Ceven Klatt, der sich sicher ist, „dass wir gegen die HSG Konstanz wieder unser wahres Gesicht zeigen werden“. Er kann dabei auf einen fast vollständigen Kader zurückgreifen, während die HSG weiter auf Fabian Schlaich und Michael Oehler sowie wahrscheinlich auch auf Maximilian Schwarz verzichten muss.

Weitere Informationen unter: www.hsgkonstanz.de

HSG Konstanz
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