Technischer Fehler und Gegenstoß sind Konstanzer K.o. mit Schlusssirene.


Die HSG Konstanz hätte alles klarmachen können: 24 Sekunden auf der Uhr, Ballbesitz und die Chance zum 24:23-Siegtreffer. Ein Punkt zumindest schien sicher. Doch ein technischer Fehler, ein schneller Gegenstoß und der Treffer zum 24:23 mit der Schlusssirene besiegelten den Knockout, der nicht bitterer hätte zustande kommen können. Ganz dicht am verdienten Punktgewinn für einen bravourösen Kampf, saßen die Konstanzer anschließend minutenlang regungslos auf der Auswechselbank. Der Blick irgendwo ins Nirgendwo, leer, voller Enttäuschung und Bitterkeit. Cheftrainer Daniel Eblen war dennoch stolz: „Kompliment, meine Mannschaft hat super Charakter bewiesen und sich die Punkte hingelegt. Dass sie am Ende nicht belohnt wird, ist schade.“

Der Druck, unter dem der ambitionierte Aufsteiger aus Düsseldorf nach der hohen Auftaktniederlage in Bietigheim vor eigenem Publikum stand, war greifbar – allerdings auch die Entschlossenheit, sich mit einem anderen Gesicht zu zeigen. Die HSG Konstanz hielt in einer, von Beginn an intensiv und körperbetont geführten Partie, eine wieder stabile, bewegliche Deckung und einen gut aufgelegten Konstantin Poltrum zwischen den Pfosten dagegen. Im Duell Jung gegen Alt konnte sich jedoch auch die Rhein Vikings auf Vladimir Bozic verlassen, der seine Qualitäten nicht nur bei zwei gehaltenen Siebenmetern unter Beweis stellte.

Nachdem Konstantin Poltrum ebenfalls einen Strafwurf entschärft hatte und Felix Klingler zum 3:3 (6.) ausgeglichen hatte, nahm die Begegnung Fahrt auf. Paul Kaletsch traf bei angedrohtem Zeitspiel zur Führung und danach wurde von beiden Seiten mit viel Tempo und Kampf um jeden Zentimeter agiert. Vorteil zunächst: Düsseldorf. Konstanz scheiterte von der Siebenmetermarke, während die Hausherren in Überzahl in das leere HSG-Tor zum 9:6 trafen. Samuel Wendel mit seinem ersten Saisontor und Mathias Riedel mit einem unwiderstehlichen Antritt im Eins-gegen-Eins hielten den Rückstand zur Pause beim 13:10 in Grenzen.

Alles nur Vorspiel für ein wahres Drama nach dem Seitenwechsel, das denkbar schlecht für die Gelb-Blauen vom Bodensee begann. Die Vikings hatten Fahrt aufgenommen und waren auf 16:12 enteilt. Nur, um vier Minuten später (40.) von der HSG Konstanz abgefangen zu werden: der Startschuss für eine irre spannende Schlussphase. Chris Berchtenbreiter war es, der die Gäste sogar mit 17:16 in Front warf. Bis zum 19:18 durch Tom Wolf legte die HSG vor, dann gingen die Vikings in Führung. „Das war eine ganz große kämpferische Leistung“, so Eblen. „Es war ein schweres Spiel für uns mit ganz viel Herz unserer Jungs.“

Selbst als Düsseldorf durch einen Kempa-Trick in Führung und sehenswerte Tore von Daniel Pankhofer vorlegte, konterte Konstanz durch Paul Kaletsch und hatte schließlich beim 23:23 und eigenem Angriff alles in der eigenen Hand. „Solche Erlebnisse wie am Schluss gibt es, was da passiert ist, darüber müssen wir nicht reden. Aber an solchen Dingen wächst man“, so Daniel Eblen. „Die Jungs haben gezeigt, wie sehr sie wollen und wie sie zusammenhalten. Wir werden das machen, was uns auszeichnet: wieder aufstehen. Und wenn es wieder passiert, werden wir nochmals aufstehen.“ Denn die Vikings nutzten den technischen Fehler vom zuvor nervenstraken Kaletsch per Tempogenstoß gnadenlos aus – und trafen nicht nur zum 24:23-Sieg, sondern auch voll ins Konstanzer Mark. Der elffache Torschütze Paul Kaletsch selbst meinte total enttäuscht, aber trotzig: „Das nehme ich auf meine Kappe. Vielleicht hat mir die Kraft gefehlt, ich weiß es nicht. Aber wir lassen uns davon nicht unterkriegen.“(Bild: Paul Kaletsch, Foto: Peter Pisa)

HC Rhein Vikings – HSG Konstanz 24:23 (13:10)

HC Rhein Vikings: Bozic, Moldrup (Tor); Hoße (2), Handschke, Klasmann (1), Oelze (6), Bahn, Pankofer (7/3), Weis (1), Bornemann, Gipperich (4), Artmann, Coric (1), Aust (2), Thomas. Trainer: Ceven Klatt

HSG Konstanz: Konstantin Poltrum, Stefan Hanemann (Tor); Benjamin Schweda, Mathias Riedel (3), Tom Wolf (1), Paul Kaletsch (11/5), Felix Krüger, Fabian Maier-Hasselmann (1), Felix Gäßler, Tim Jud, Samuel Wendel (2), Chris Berchtenbreiter (3), Sebastian Bösing, Felix Klingler (1), Julius Heil. Trainer: Daniel Eblen

Zuschauer: 996 im Castello Düsseldorf.
Schiedsrichter: Ronny Dedens und Nico Geckert aus Magdeburg.

HC Rhein Vikinks  HSG Konstanz

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