Tim Jud sieht Aufwärtstrend bei HSG Konstanz.


Im zweiten Saisonspiel musste sich die HSG Konstanz zum zweiten Mal ganz knapp und unglaublich unglücklich geschlagen geben. Bei eigenem Ballbesitz in den letzten 30 Sekunden schein beim Spielstand von 23:23 nach toller Aufholjagd ein Punkt in Düsseldorf sicher – und der Sieg möglich. Ein technischer Fehler, ein schneller Gegenstoß und der Treffer zum 24:23 besiegelten allerdings die nicht mehr für möglich gehaltene Konstanzer Niederlage und den bitteren Knockout mit der Schlusssirene.

Im Gespräch mit HSG-Pressesprecher Andreas Joas versucht Spielmacher Tim Jud (22) die Gefühle und Eindrücke nach dem Genickschlag in letzter Sekunde zu schildern, erklärt, dass man daran wachsen werde und blickt aufgrund der Entwicklung von Spiel zu Spiel optimistisch auf die nächsten Aufgaben voraus.

Mindestens einen Punkt eigentlich schon gesichert, dann nach einer großen kämpferischen Leistung doch noch mit leeren Händen auf die lange Heimfahrt. Schlimmer geht’s nimmer.

Ein scheiß Gefühl. Du hast den letzten Angriff und alle Trümpfe in der Hand. Zumindest ein Punkt scheint dir sicher, ich habe sogar mit zwei gerechnet. Ich habe gesagt, wir holen uns das Ding. Der Frust ist dann umso größer, wenn es ins Negative fällt. So ist unser Sport, das gehört dazu. Abhaken und weitermachen.

Wie hast Du die entscheidende Situation erlebt?
Schlussendlich wissen wir alle, wo der Fehler liegt. Aber keiner kann und wird Paul einen Vorwurf machen. Er macht elf Tore bei 13 Versuchen. Und der Fehler hätte davor und danach passieren können. Paul übernimmt Verantwortung, er will Verantwortung übernehmen und dann muss er mit solchen Sachen umgehen können – und das kann er! Das ist ärgerlich, aber wir stehen zusammen. Wir gewinnen und verlieren zusammen als Team. Deshalb gibt es nichts anderes als nach vorne zu sehen.

Auch wenn es für die Tabelle zunächst nichts bringt: Unterschreibst Du die Einschätzung von Trainer Daniel Eblen, dass man an solchen Erfahrungen wachsen wird?
Absolut, man muss daran wachsen. Wir haben gemerkt, was möglich gewesen wäre. Wir hatten gute Phasen im Spiel und müssen das Positive mitnehmen. An solchen Ereignissen steigert man sich. Jeder weiß, um was es geht und was es im Training braucht. Dann wird das am kommenden Wochenende sicher gut.

Wie schüttelt man die bittere Art und Weise des Zustandekommens der Niederlage ab?
Nach dem Spiel macht man sich schon seine Gedanken. Aber zu lange darf man sich damit nicht aufhalten, dazu bleibt gar keine Zeit. Deshalb ist schnell abhaken das wichtigste, dazu das Positive mitnehmen und sicher auch die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. Dafür wird uns Dani wieder gut einstimmen. Es ist nur ein verlorenes Spiel. Wie man es verloren hat ist dann am Ende auch egal.

Halten wir das Positive fest: Rückstand gedreht, großes Kämpferherz gezeigt und bei einem hochkarätig besetzten Kontrahenten ganz dicht vor dem Coup. Der Wille war beeindruckend.

Wir haben gezeigt, was wir als Mannschaft leisten können, wenn wir in einen Flow hineinkommen und mit unserem Kampf vorne und hinten unser Spiel aufziehen können. Es war viel möglich und ich sage es ist noch viel mehr möglich. Das kommt auch noch. Das Glück wird auch einmal wieder auf unserer Seite sein. Wir werden das mit unserem Einsatz erzwingen.

Sind gegen Hildesheim am Samstag, 20 Uhr, in der Schänzlehölle die zwei Punkte fällig?
Wenn es nach uns und mir geht auf jeden Fall. Wir müssen uns gut vorbereiten, denn wir wissen, dass es gegen einen sehr ambitionierten Aufsteiger geht. Es gilt das gleiche wie heute: von Anfang an vollen Kampf hineinbringen. Wieder zu Hause, mit der Schänzlehölle im Rücken, ist alles möglich.

Wie beurteilst Du den Saisonstart mit 0:4 Punkten, obwohl man zweimal ganz dicht an Zählbarem war?
Letzte Saison haben wir das erste und dritte Spiel verloren, dafür das zweite gewonnen. Ich würde es nun trotzdem nicht als Fehlstart bezeichnen. Wir hatten gute Phasen in beiden Partien und haben es noch nicht ganz über 60 Minuten abrufen können. Wir wissen, woran wir arbeiten müssen, damit es so kommt, wie wir wollen. In der Abwehr stehen wir bis auf ein paar kleine Abstimmungsprobleme schon ganz gut, da sind wir gut am Arbeiten, vorne fehlt uns zurzeit vielleicht noch ein bisschen die Cleverness. Das wir in manchen Situationen noch etwas ruhiger sind und den Ball ein, zwei Stationen weiter- und es richtig zu Ende spielen. Das ist auch darauf zurückzuführen, dass wir in der Vorbereitung nicht so viel Zeit hatten. Das kommt. Auch in Düsseldorf haben wir bereits bessere Ansätze als gegen Hamm gezeigt. Deshalb sehe ich das Ganze positiv und dass wir von Woche zu Woche weitere Fortschritte machen werden.

HSG Konstanz

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