Der HCOB verliert Drittliga-Duell in Kornwestheim nach Hinausstellungs-Anhäufung in den Schlussminuten mit 28:35.


Der HC Oppenweiler/Backnang hat das Bezirksduell in der Dritten Handball-Liga beim SV Salamander Kornwestheim mit 28:35 verloren. Das klingt deutlich, doch das Resultat täuscht über den knappen Spielverlauf hinweg. 54 Minuten war es eine Partie auf Messers Schneide. Dann stellten die Schiedsrichter reihenweise HCOB-Handballer vom Feld. Der Tabellenführer brachte den Sieg ohne zittrige Schlussphase über die Zeit.

Für die Schützlinge von Trainer Matthias Heineke begann die Begegnung schlecht. Philipp Schöbinger bekam eine (harte) Zeitstrafe aufgebrummt. Mit einem technischen Fehler luden die Gäste den SVK zum Wurf ins verwaiste Tor ein. Dann ging Marvin Flügel dazwischen, als die HCOB-Handballer den Ball zur Freiwurf-Ausführung an den Ort des Geschehens befördern wollten. Frechheit siegte, denn die Schiedsrichter ließen laufen, der Kornwestheimer hatte freie Bahn und traf zum 3:0. Bei den Gästen musste Benjamin Röhrle verletzt vom Feld, wenig später stand es 6:1.

Der HC Oppenweiler/Backnang bewahrte Ruhe. Im Angriff wurde Philipp Schöbinger am Kreis gesucht und gefunden, er brachte sein Team heran. Kevin Wolf sorgte an seiner ehemaligen Wirkungsstätte für den 7:7-Ausgleich, nach zwölf Minuten war der Fehlstart korrigiert. Es entwickelte sich eine ausgeglichene Partie. Rund um die 20. Minute leistete sich der HCOB einige Fehlversuche. Kornwestheim, im Rückraum mit vielen Alternativen ausgestattet und deshalb regelmäßig am Rotieren, setzte sich wieder auf 15:11 ab. Allerdings hielt Lukas Köder seine Mannschaft mit Siebenmetern im Spiel. Florian Schöbinger verkürzte noch vor der Pause auf 16:18.

Zu Beginn der zweiten Hälfte hatte der HCOB Pech, dreimal schepperten Pfosten und Latte des Kornwestheimer Tores. Ärgerlich war, dass diese Würfe zu Kontervorlagen gerieten. Nach einem Gegenstoßtreffer von Fabian Kugel lagen die Hausherren wieder mit fünf Toren vorn, 22:17, eine Parallele zur ersten Halbzeit, aber nicht die einzige. Denn wieder ließen sich die Murrtaler nicht entmutigen, sie kämpften sich heran. Vier Tore in Serie brachten das 22:21 durch Ruben Sigle. Als nach einem Kornwestheimer Fehlwurf der Ausgleich lockte, erhielt Torwart Sven Grathwohl eine Zeitstrafe, gemäß Schiedsrichtergestik wegen Reklamierens. Er selbst beteuerte hernach, genau dies nicht getan zu haben. Den Kornwestheimern war es egal: Sie nutzten die Überzahl zu drei Toren, hatten nach dem 25:21 wieder Luft.

Die Moral der Gäste stimmte, sie kämpften unverdrossen weiter. Sie steckten auch eine Rote Karte gegen Philipp Schöbinger nach dessen dritter Hinausstellung weg und entwickelten im Angriff gute Lösungen. In der 54. Minute waren die Gäste erneut in Schlagdistanz, Chris Hellerich traf vom Kreis zum 28:30. Das roch nach einer dramatischen Schlussphase.

Die Partie wurde dieser Erwartung aber nicht gerecht. Denn ausgerechnet Hellerich musste kurz nach seinem wichtigen Tor für zwei Minuten auf die Bank. Sekunden später folgte Tom Kuhnle. Diese Entscheidungen stießen auf geteiltes Echo. Florian Schöbinger sah sogar Rot, weil Kornwestheims Flügel in einem Zweikampf getroffen wurde und zu Boden ging. Er stand freilich genauso schnell wieder auf. Deshalb wirkte auch dieser Schiedsspruch zu hart und ärgerte die Gäste. Den Kornwestheimer passte das alles allerdings gut in den Kram. Erst verwandelte Peter Jungwirth einen Siebenmeter, im Spiel Sechs gegen Vier erzielten sie zwei weitere Tore. Damit hatte der Tabellenführer die die Last des knappen Ergebnisses abgeschüttelt. Der SVK jubelte, die Gäste waren bedient. Dass die Partie gar mit sieben Toren Differenz endete, war nicht mehr von Belang.

HCOB-Trainer Matthias Heineke: „Über 54 Minuten haben wir es hier einfach gut gespielt. Es war großer Unterschied zwischen Kornwestheim und uns zu erkennen und wir haben ein Derby auf Augenhöhe abgeliefert. Der SVK hat am Anfang viel Druck gemacht, aber wir haben die Ruhe nicht verloren und dagegengehalten. Die letzten sechs Minuten hatten aus meiner Sicht mit Handball nur noch wenig zu tun, wir haben in dieser Zeit keinen einzigen richtigen Angriff mehr zustande bekommen. Für die Moral wäre ein Sieg überragend gewesen, so war es – vom Verlauf her – jetzt ein Spiel, passend zur Vorrunde. Das müssen wir in der Pause nun aus den Köpfen kriegen.“ (Text: Alexander Hornauer, Foto: Alexander Becher).

Spielverlauf: 6:1, 7:7, 10:10, 14:11, 18:16 – 22:17, 22:21, 27:23, 30:28, 35:28.

SV Salamander Kornwestheim: Max Schneider, Felix Beutel (Tor), Marco Kolotuschkin (1), Christian Wahl (2), Dominic Schaffert, Fabian Kugel (2), Christopher Tinti (3), Hendrik Schoeneck (3), Axel Steffens, Peter Jungwirth (12/6), Tim Scholz (3), Adrian Awad (), Julius Emrich (2), Marvin Flügel (7). – Trainer: Alexander Schurr.

HC Oppenweiler/Backnang: Thomas Fink, Sven Grathwohl (Tor), Florian Schöbinger (4), Benjamin Röhrle, Ruben Sigle (2), David Szilagyi (2), Chris Hellerich (1), Kevin Wolf (5), Philipp Schöbinger (5), Tom Kuhnle (3), Florian Frank, Philipp Maurer (1), Felix Raff (n.e.), Lukas Köder (5/5). – Trainer: Matthias Heineke.

Schiedsrichter: Frank Kraaz (Deizisau) und Tobias Lay (Bruchsal).
Zuschauer: 600.
Siebenmeter: 6/6 : 5/5.
Zeitstrafen: 4:18 Minuten (Flügel, Emrich – P. Schöbinger/dreimal, Sigle/zweimal, F. Schöbinger/nach Disqualifikation, Grathwohl, Hellerich, Kuhnle).
Disqualifikationen: F. Schöbinger (57., Foul an Flügel).

SV Salamander Kornwestheim  HC Oppenweiler/Backnang

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