Fast auf den Tag genau vor zwei Jahren wurde das letzte Ortenau-Derby der Handball-BW-Oberliga in der Hanauerlandhalle gespielt: Gegner des TV Willstätt war Neuling TV Oberkirch.

Das Spiel am kommenden Freitag (20.30 Uhr) zwischen dem ambitionierten TVW und Aufsteiger HGW Hofweier birgt neben dem Derbycharakter aber auch noch weitere Brisanz. Denn mit dem HGW kehrt Willstätts Ex-Trainer Michael Bohn an seine alte Wirkungsstätte als Spieler in der 1. Bundesliga und danach als Trainer zurück.

»Ich habe den TV Willstätt im November 2013 als Nachfolger von Martin Valo übernommen und bin mit einem Auswärtsspiel gegen die SG Neuhausen/Filder gestartet«, erinnert sich der 43-Jährige an den Beginn seiner Willstätt-Mission. Bohn hatte die Vorgabe, schnell den Klassenerhalt zu sichern und die Mannschaft wieder in bessere Tabellenregionen zu führen.

Klassenerhalt das Ziel
Seit Saisonbeginn ist der Versicherungsfachmann, Baufinanzierer und lizenzierte DHB-Spielervermittler Coach beim Oberliga-Neuling HGW Hofweier. Einziges Ziel hier ist der Klassenerhalt. Und das wird beim Blick auf die aktuelle Tabelle nicht leicht: Vorletzter mit 7:17 Zählern. Trotzdem freut sich Michael Bohn auf seine Rückkehr nach Willstätt und das Derby, aber auch darauf, viele bekannte Gesicher zu sehen. »Es wäre schön, wenn das Spiel solch einen Zuspruch finden würde wie vor zwei Jahren zwischen dem TVW und TV Oberkirch (1400 Zuschauer)«, hofft »Bohni« auf eine große Kulisse in der Hanauerlandhalle. Das Verhältnis zu seinem früheren »Arbeitgeber« – den Verantwortlichen des TV Willstätt – sei immer professionell gewesen, und daran habe sich nichts geändert.

Kameradschaftlich sind jedoch die Kontakte zu seinem Nachfolger beim TVW, Dragan Markovic. »Dragan und ich haben uns schon immer gut verstanden, hin und wieder treffen wir uns auf eine Tasse Kaffee oder telefonieren. In der Saisonvorbereitung haben beide Mannschaften auch ein gemeinsames Training absolviert«, verrät Bohn, der beide Vereine aus dem Effeff kennt und auf Nachfrage große Unterschiede zwischen dem HGW und dem TVW ausmacht: »Der HGW Hofweier ist ein Verein mit einem super Umfeld, das Ehrenamt wird sehr groß geschrieben, der Zuschauerzuspruch ist enorm. An erster Stelle steht der Wohlfühlfaktor, was aber aus Trainersicht  nicht immer von Vorteil ist. Deshalb versuche ich den HGW sportlich zu professionalisieren, soweit das möglich ist.«

Ganz anders charakterisiert Bohn  den TV Willstätt: »Der TV Willstätt dagegen ist ein Wirtschaftsunternehmen, bei dem der Erfolg an erster Stelle steht, was sportlich absolut förderlich ist. Denn man hat dort optimale Rahmenbedingungen, von denen sogar einige Zweitligisten nur träumen können. Aber ein Vereinsleben findet nicht statt.«  Die wirtschaftlichen Unterschiede beider Vereine bezeichnet Michael Bohn als so groß, »dass in diesem Bereich gleich mehrere Ligen zwischen dem HGW und TVW liegen«. Beim Blick auf die aktuelle Tabelle der BW-Oberliga ist der sportliche Unterschied allerdings nicht ganz so gravierend, denn nur vier Zähler trennen die Teams. »Auf dem Papier sind wir sicherlich chancenlos, aber auch diese 60 Minuten müssen erst gespielt werden. Der TV Willstätt muss unbedingt gewinnen, um sich nicht frühzeitig von seinen Zielen verabschieden zu müssen. Wir können befreit aufspielen, denn von uns erwartet niemand einen Sieg«, hebt Michael Bohn sein Ex-Team aufs Favoritenschild.

Ausgeglichene Liga
Auch glaubt der HGW-Coach, dass der TVW sein Ziel (»vorn angreifen«) trotz des Rückstandes zur Tabellenspitze am Ende erreichen kann: »Die Oberliga ist in dieser Saison extrem ausgeglichen, aber in der Spitze nicht mehr so stark besetzt wie in der vergangenen Runde. Mit einer Siegesserie macht man viele Plätze gut. Daher ist die Zielsetzung durchaus noch zu erreichen.«

TV Willstätt  HGW Hofweier

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