Was macht man mit einem Ball der nach einem Torwurf im Lattenkreuz klemmt? Das Karlsruher Schiedsrichtergespann Kraft/Saam wusste es genau und entschied ohne letztendliche Kontrolle auf Tor.


Der Ball blieb zum Beweis noch zwanzig Sekunden im Kreuz bis ihn Tormann Peter Fodor herunternahm. Aber es war nicht der einzige Aufreger in der Spitzenpartie des Südbadenliga.

Zu Gast war der letztjährige Oberligaabsteiger und Tabellenführer (punktgleich mit TuS Schutterwald) die HGW Hofweier. Angetreten mit der stärksten Besetzung unter anderem im Tor der ungarische 1.Liga erfahrene Nebojsa Nikolic versuchte Trainer Michael Bohn den Sinzheimern von Beginn an den Zahn zu ziehen.

Doch die Feuervögel hatten eine unbändige Kampfkraft entgegenzusetzen, standen in der Abwehr stark und trotzten den vielen Härten der Gäste welche in den ersten zwei Minuten ohne Torerfolg drei gelbe Karten nacheinander kassierten bis Timo Häß die erstmalige Führung für die HGW erzielte. Yanez Kirschner ließ das 1:1 folgen und Luis Pfliehinger glich einen erneuten Rückstand mit einem herrlichen Tor von außen gegen Torwart Nebojsa Nikolic aus. Bis auf drei Minuten Leerlauf und ebenfalls drei gelben Karten gegen Roman Weis, Fabien Winogrodzki und Pascal Meny passierte dann nicht viel.

Doch dann begann die große Zeit der Sinzheimer Tormaschinerie. Angetrieben von Yanez Kirschner und Fabian Ernst startete man ganz im Stile eine Dampfwalze das Sinzheimer Angriffsspiel dem Hofweier einfach nichts entgegenzusetzen hatte. Aus dem 2:2 wurde ein 9:5, eine zwischenzeitliche Auszeit von Michael Bohn sowie Torwartwechsel, für Neboisa Nikolic kam Boris Schnak, hatte eher betäubende Wirkung denn Sinzheim hatte mit Peter Fodor einen bärenstarken Rückhalt. Man zog nochmals das Tempo an. Die taktische Maßnahme Yanez Kirschner in Manndeckung zu nehmen fruchtete nicht wie gewünscht da der BSV darauf vorbereitet war und immer wieder geschickt Sperren setzte, um ihn in Spiel zu bringen.
Es folgte ein Kabinettstückchen der Feuervögel nach dem anderen, der Vorsprung wuchs bedrohlich. Hofweier blieb insgesamt acht Minuten ohne Treffer. Kurz vor der Pause war man bereits bis auf 15:8 enteilt, auch der dubiose Winkelhänger brachte Sinzheim nicht aus der Ruhe. Yanez Kirschner war es vorbehalten mit zwei Treffern nacheinander den 17:8 Pausenstand herzustellen.

Auch die zweite Hälfte begann wie die erste aufgehört hatte. Antoine Lauffenburger setzte sich gegen die Deckung der HGW durch und erhöhte auf 18:8 und 19:9. Sollte es etwa ein Kantersieg werden oder berappelte sich die HGW wieder?

Die Aufmerksamkeit der Sinzheimer ließ zusehends nach, es folgte plötzlich eine ganze Serie von Fehlpässen sowie Fehlwürfen. In der Zwischenzeit stand auch wieder Nebojsa Nikolic zwischen den Pfosten und er wuchs immer mehr in die Partie. Sinzheim hatte es zusehend schwerer mit Torerfolgen abzuschließen. Doch Peter Fodor stand seinem Landsmann in keiner Weise nach. Er glänzte mit unzähligen Paraden, trotzdem kam Hofweier bedrohlich auf. Aus dem 19:10 wurde ein 20:15. Die Feuervögel bekamen zusehends Flugangst. Wie wegeblasen war die Dominanz der ersten Halbzeit, eigentlich ein Abbild aller Partien. Dachte man an die Partie gegen Schutterwald zurück als man den Gegner weit bis in die zweite Hälfte klar beherrschte, musste man heute die gleiche Entwicklung befürchten. Sinzheim wackelte, vergab wichtige Strafwürfe durch Luis Pfliehinger und Antoine Lauffenburger und schon war Hofweier auf 21:20 herangekommen.

Die Partie stand auf der Kippe. Doch man hatte mit Peter Fodor einen Keeper der Extraklasse zwischen den Pfosten. Eine Auszeit von Kalman Fenyö sollte Phönix nochmals auf den richtigen Weg bringen. Yanez Kirschner erhöhte auf 22:20, dem Hofweier das 22:21 folgen ließ. Das Spiel avancierte nun zum reinen Kampfspiel in dem Peter Fodor sich immer mehr in den Vordergrund schob. In der 53.Minute nahm sich Valierre Kirschner ein Herz und netzte mit einem Kracher ins lange Eck zum 22:20 ein. Was nun folgte war nichts mehr für schwache Nerven. Fodor zauberte eine Parade nach der anderen aus dem Hut, nacheinander fischte er zwei Bälle von außen weg um danach nacheinander dreimal die Fehler sein Angreifer ausbügeln zu müssen indem er drei Konterbälle hielt.

Hofweier gelang insgesamt sieben Minuten kein Tor mehr, es war die Zeit des Matschwinners Peter Fodor. Eike Rumpf musste letztendlich ein herrliches Außenanspiel nur noch zum finalen 24:21 einnetzen.

Im Endeffekt ein verdienter Sieg für Sinzheim, auch wenn es HGW Trainer M.Bohn nicht wahrhaben wollte und am Ende mit den Schiedsrichtern haderte.

Sinzheim bleibt mit diesem Sieg auf Tuchfühlung zur Tabellenspitze.

BSV Phönix Sinzheim - HGW Hofweier 24:21 (17:8)

BSV Phönix Sinzheim: Felix Möllering, Luis Pfliehinger (5/1), Valliere Kirschner (1), Philipp Reiß, Pascal Meny (1), Fabian Ernst (2), Roman Weis, Antoine Lauffenburger (3), Lotfi Hamadi, Noah Eric St. Pierre, Peter Fodor, Rudolf Osicka - Yanez Kirschner (8/1) - Eike Rumpf (2) - Fabien Winogrodzki (2/1); Trainer: Kalman Fenyö

HGW Hofweier: Nebojsa Nikolic, Florian Herzog (2), Florian Langenbach, Michael Herzog (4), Marko Bures (3), Sven Gieringer (3), Timo Häß (3), Marcel Blasius (1), Michael Gengenbacher, Michael Bohn - Stefan See (1), Luca Barbon (1), Lukas Schade (1) - Tim Stocker (2) - Boris Schnak; Trainer: Michael Bohn

Schiedsrichter: Alexander Kraft (SV Langensteinbach), Ralph Saam (SSC Karlsruhe)

Gelb: Fabien Winogrodzki (5.) (6:03), Pascal Meny (2.) (6:13), Roman Weis (8.) (8:17), Rudolf Osicka (60:00) / Florian Herzog (3.) (0:37), Lukas Schade (3.) (1:47), Marko Bures (3.) (2:18), Michael Gengenbacher (46:38), Michael Bohn (2.) (60:00)

Strafminuten: 8:12

2 Minuten: Yanez Kirschner (22:53), Pascal Meny (34:47), Valliere Kirschner (37:37), Roman Weis (41:48) / Michael Herzog (21:12), Florian Herzog (21:28), Michael Herzog (26:21), Lukas Schade (36:10), Lukas Schade (45:36), Marcel Blasius (57:21)

Vergebene Siebenmeter: Antoine Lauffenburger, Luis Pfliehinger, Fabien Winogrodzki / Michael Herzog



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