Wer sich für das Bundesligaspiel zwischen dem HBW Balingen-Weilstetten und dem TVB Stuttgart eine Karte gekauft hatte und in der Balinger SparkassenArena das Schwaben-Derby live erleben konnte, ging ganz sicher hochzufrieden nach Hause.


Die beiden Mannschaften trennten sich zwar mit einem am Ende leistungsgerecht 25:25(13:15)-Unentschieden und man kann sicher darüber diskutieren, ob es für die einen ein gewonnener und für die anderen ein verlorener Punkt war oder umgekehrt, Gewinner waren auf jeden Fall die Handball-Fans. Da war Feuer drin, da war Spannung drin, Drama pur bis zum Schlusspfiff – einfach alles, was man von einem solchen Derby im Vorfeld erwartet hatte und vielleicht ein bisschen.

Schaut man auf die letzten Ergebnisse der Gallier, durfte man auch wahrscheinlich auch nichts anderes erwarten. In den letzten sechs Spielen der Balinger war in den letzten zwei Minuten jedes Mal Dramatik angesagt. Warum also sollte es dieses Mal anders sein? Mit 23:25 lag die Mannschaft von Trainer Jens Bürkle fünf Minuten vor dem Schlusspfiff im Rückstand. Zwei, vielleicht sogar drei Mal hatten die Gäste die Möglichkeit den Deckel drauf zu machen, aber die Gallier und ein kleines Quäntchen Glück ließen es nicht zu. Sie erkämpften sich immer wieder den Ball und Gregor Thomann verwandelte zwei Strafwürfe nervenstark zum verdienten 25:25-Ausgleich, wobei vor allem der letzte Strafwurf für Diskussionen sorgte. Dass die beiden Unparteiischen so entschieden haben, war für Stuttgart hart und man kann verstehen, dass sie mit der Entscheidung haderten, aber sie war regelkonform. Der TBV spielte im Angriff und die Unparteiischen hoben die Hand zum Zeitspiel. Stuttgart kam nicht zum Abschluss und nach sechs Pässen kam der Pfiff. Statt den Ball direkt auf den Boden zu legen, holte Adam Lönn nach dem Pfiff noch aus und warf den Ball aufs Balinger Tor. Damit verhinderte er in den letzten 30 Sekunden einen schnellen Freiwurf der Balinger. Aus dem Regelwerk gibt es dafür nur eine einzige Entscheidung: Rote Karte und Strafwurf.

Dass die Gallier wenige Sekunden später nach dem Schlusspfiff jubelten war verständlich, denn sie lagen bis auf eine kurze Phase in der ersten Hälfte ständig im Hintertreffen. Vom Anpfiff weg war der TVB präsenter auf der Platte und beim 2:6 nach nur sieben Spielminute wurde es ziemlich still in der „Hölle Süd“. Hinter der klaren Stuttgarter Führung stand bis dahin ein Name: Jogi Bitter. Der Torwart-Routinier nagelte seine Kiste zu. Selbst klarste Chancen machte er zunichte. Nach dem 4:8 in der 14. Minute bewies HBW-Trainer Jens Bürkle dann viel Bauch- und Fingerspitzengefühl. Er wechselte auf der Torhüterposition auf Mike Jensen. Der 24-Jährige Däne stellte in der Folge selbst einen Jogi Bitter in den Schatten. Mit einer Parade nach der anderen sorgte er dafür, dass seiner Mannschaft ein 6:0-Lauf gelang. Aus dem 4:8-Rückstand machten die Gallier eine 10:8-Führung, gaben diese dann aber viel zu schnell aus der Hand. Der ein oder andere wollte in der Phase einfach zu viel. Zwei, drei überhastete Abschlüsse im Angriff, zwei, drei Unkonzentriertheiten in der Abwehr und die Gäste aus Stuttgart lagen zum Pausenpfiff wieder mit 13:15 in Führung.

Die zweite Halbzeit begann ähnlich wie die ersten 30 Minuten. Der TVB war viel präsenter auf der Platte und so musste HBW-Trainer Bürkle seine Jungs nach nur sieben Minuten schon wieder zur Auszeit zusammenholen. Stuttgart führte erneut mit vier Toren – es stand 15:19. Die Auszeit und die Umstellungen zeigten Wirkung. Die Gallier konnten den Stuttgart Vorsprung verkürzen und in der 51. Spielminute gelang Jannik Hausmann sogar der 22:22-Ausgleich. Wieder waren es aber ein paar Kleinigkeiten, die danach nicht passten. Beim angezeigten Zeitspiel kam kein Abschluss, Lukas Saueressig traf nur den Pfosten, in der Abwehr fehlte der Zugriff und schon war Stuttgart wieder mit zwei Toren weg. Nach dem 23:25 in der 55. Minute glaubten nur noch wenige an einen zählbaren Erfolg der Gallier. Die Mannschaft von Jens Bürkle zeigte aber mal wieder ihre unglaubliche Moral. Sie gab keinen Ball verloren und durfte, nach den zwei verwandelten Strafwürfen von Thomann, nach dem Schlusspfiff den verdienten Beifall von den Rängen genießen.

HBW Balingen-Weilstetten: Mike Jensen, Vladimir Božić (TW); René Zobel, Marcel Niemeyer, Vladan Lipovina, Romas Kirveliavičius, Filip Taleski, Jannik Hausmann, Gregor Thomann, Tim Nothdurft, Benjamin Meschke, Oddur Grétarsson, Martin Strobel, Juan de la Peña, Jona Schoch, Lukas Saueressig;

TVB Stuttgart: Johannes Bitter, Finn Hummel (TW); Max Häfner 1, Elvar Asgeirsson, Dominik Weiß, Rudolf Faluvegi 3, Manuel Späth, Adam Lönn 5, Robert Markotic 1, Samuel Röthlisberger 2, Patrick Zieker 2/1, Sascha Pfattheicher 1, Zarko Peshevski 4, David Schmidt 6, Tim Wieling;

Strafwürfe
HBW 5/4, TVB 1/1;

Zeitstrafen
HBW 3, TVB 4;

Nächstes Spiel
FrischAuf Göppingen – HBW Balingen-Weilstetten, Sonntag, 17. November, 16 Uhr, EWS Arena in Göppingen.

HBW Balingen-Weilstetten  TVB 1898 Stuttgart

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