Beim Bezirkstag in Gutach steht die Diskussion um den nahenden Spielbetrieb in der Corona-Zeit im Fokus. Südbadens Handball-Verband arbeitet noch an einer „Durchführungsverordnung“. Eigenverantwortung und großer Aufwand für die Vereine. 

Im „Erlebnisdorf Uhrwerk“ tagte am Montag der Handball-Bezirk Offenburg/Schwarzwald. Während ein Uhrwerk für reibungsloses Funktionieren steht, verdeutlichte dieser Bezirkstag in der Gaststätte „Webers Esszeit“ bei Gutachs Freilichtmuseum, dass die nahende Saison ziemlich holprig werden könnte.

„Ich hoffe, dass diese Saison durchläuft“, erklärte Bezirksvorsitzender Gerhard Kempf und ergänzte mit Blick auf die begonnene Fußball-Saison im Freien mit ersten coronabedingten Spielabsetzungen: „Es wird schwierig werden in der Halle, wo der Kontakt noch enger ist.“ Weil dies jeder der anwesenden Verantwortlichen aller 35 Handballvereine im Bezirk wisse, erhofften sie sich Antworten auf dringende Fragen als Gastgeber von Handballspielen bereits ab 3. Oktober. Doch Kempf konnte kaum konkrete Antworten liefern. Der Südbadische Handballverband (SHV) mit seinen vier Bezirken arbeite noch an einer „Durchführungsverordnung“. Wobei zwei Dinge klar seien: „Der SHV macht aus rechtlichen Gründen keine Vorgaben, die Eigenverantwortung liegt bei den Vereinen, die bis 28. September beim Verband ein Hygienekonzept vorlegen müssen, das an den örtlichen Gegebenheiten angepasst ist.“

Ermessenssachen des Gastgebers

Im Ermessen der Vereine liegt es unter anderem, ob bewirtet wird oder Gäste-Teams Fans mitbringen dürfen. Das Sicherheits- und Hygienekon­zept des Gastgebers können sich die Teams vor Antritt ihrer Auswärtsfahrt auf der Homepage des Verbands verinnerlichen, dazu müsse eine Liste mit allen Namen der Spieler und Betreuer (inklusive Adresse und Telefonnummer) vor Eintritt in die Halle abgegeben werden. Auf jeden Fall zu erfüllen im getrennten Besucherbereich sind Maskenpflicht und festzugewiesene Plätze, die in allen vier Richtungen mindestens 1,50 Meter Abstand zum nächsten Zuschauer bieten müssen, erst dann darf die Maske abgenommen werden.

Beim SV Zunsweier zum Beispiel wären in der Halle dann maximal 50 Besucher möglich, so Handball-Abteilungsleiterin Monika Berger, die zugleich als Ortsvorsteherin auch die städtischen Standpunkte aus erster Hand genau kennt. Sie fragte zudem, was passiere, wenn ein Spiel abgesetzt werden müsse, weil ein Covid-19-Fall in einer Mannschaft eingetreten sei? Und wer setzt das Spiel ab? Erster Ansprechpartner sei der Staffelleiter, so Kempf. Alles Weitere sei noch offen.

Zwei Bezirksehrennadeln in Gold

„Unsicherheiten und Sorgen in dieser Corona-Zeit“ unterstrich Martin Heinzmann, Vorsitzender des gastgebenden TuS Gutach, der bei zwei „längst fälligen Ehrungen“, so Kempf, für zwei verdiente Ehrenamtskräfte im Blickpunkt stand. Die Bezirksehrennadel in Gold erhielten Herbert Bösinger und Christian Lehmann. Beide waren lange aktive TuS-Handballer, danach viele Jahre Übungsleiter und sind weiter im Vorstand – Lehmann seit 2002 als Handball-Abteilungsleiter, zuvor sechs Jahre Schriftführer, Bösinger seit 2004 als stellvertretender Abteilungsleiter. 

SHV-Vizepräsident Fritz Kokemüller, der diesmal Urkunden „nicht für die Meister im Bezirk, sondern für die Staffelsieger“ nach der abgebrochenen Vorsaison überreichte, erwähnte, dass die Kurzarbeit in der SHV-Geschäftsstelle mit Beginn der neuen Saison ende.

15 Spiele pro Schiedsrichter-Sollstelle

Kempf sprach noch positive Auswirkungen von Corona an, vor allem mehr Digitalisierung und Vereinheitlichung zwischen den Bezirken. Dazu zähle, dass in jedem Bezirk pro Schiedsrichter-Sollstelle 15 Spiele gepfiffen werden müssten. 14 Monate zuvor beim Bezirkstag 2019 in Oppenau hatte es den später stattgegebenen Antrag an den Verbandstag gegeben, Vereine, die nicht genügend Schiedsrichter stellen, mit einer Geldstrafe und einem Punktabzug zu bestrafen. Der Punktabzug soll ab dem zweiten Jahr, also im Wiederholungsfall einer Fehlstelle, zur erhöhten Geldstrafe dazukommen.

Was die Finanzen betrifft, bilanzierte Bezirkskassenwart Wolfgang Kramer für 2019 weniger gute Zahlen als ein Jahr zuvor, da die Kosten gleich geblieben, aber die Einnahmen gesunken seien. Das Minus von rund 6000 Euro stelle aber noch kein Problem dar, so Kempf.

Desinfektion ein weiteres großes Thema

Am Donnerstag gibt es die nächste Telefonkonferenz des SHV-Präsidiums. Offene Fragen bestehen zur Genüge. Nach Ende des Jugendbezirkstags am frühen Montagabend musste übrigens der Saal geräumt werden, damit dieser für den folgenden Bezirkstag wieder desinfiziert werden konnte. Die Desinfektion ihrer Halle an einem Spieltag mit mehreren Heimspielen erfordert ab Oktober einen weiteren Kraftakt für die Vereine. Mit welchen Erfahrungen, wie und ob diese spezielle Saison über die Bühne gebracht werden konnte, steht beim Bezirkstag 2021 in Hohberg auf der Tagesordnung.

 

Hintergrund:

Enormer Aufwand pro Heimspieltag nötig

„Die Stadt Offenburg hat mitgeteilt, dass die Vereine als Ausrichter der jeweiligen Sportveranstaltung für die Einhaltung der Hygienevorschriften selbst verantwortlich sind“, erklärt Monika Berger, Ortsvorsteherin von Zunsweier und Handball-Abteilungsleiterin des SVZ: „Als Verein oder Vorstand haftet man bei Verstößen auch. Unter anderem müssen nun also die Vereinsverantwortlichen entscheiden, ob sie Zuschauer zulassen. Zudem muss der Verein die Hygienevorschriften einhalten, was enormen Aufwand erfordert. So müssen nach jedem Spiel die Kabinen, Duschen und Toiletten gereinigt werden, bevor die nächsten Teams die Halle betreten können. Auch der Zuschauerbereich muss komplett gereinigt werden. Da die Pause zwischen den Spielen meist nur 45 Minuten beträgt, ist dies ein enormer Aufwand, der kaum zu stemmen ist und bei manchen Vereinen dazu führt, dass Duschen und Kabinen gesperrt oder keine Zuschauer zugelassen werden. Auch die Dokumentation der Spieler, Betreuer, Schiedsrichter, Zuschauer für alle Spiele eines Spieltags muss erfolgen. Alles ist in einem Hygienekonzept zu dokumentieren, das für die jeweilige Sporthalle gilt.“

 

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