Platz vier als „Wunschziel“ für den TV Oberkirch

Mit praktisch unverändertem Kader will der TV Oberkirch an die Erfolge der letzten beiden ­Spielzeiten in der Handball-Südbadenliga anknüpfen. „Authentisch bleiben“, lautet die Philosophie von Trainer und Verein.

 

Der TV Oberkirch hat sich in den vergangenen beiden Spielzeiten in der erweiterten Spitzengruppe der Handball-Südbadenliga etabliert. Trotzdem zählen sich die Renchtäler in der am 3. Oktober beginnenden Saison nicht zu den Favoriten. „Wir haben seit über einem halben Jahr kein Pflichtspiel bestritten, wie alle anderen Mannschaften auch. Es fangen alle bei Null an“, warnt Trainer Daniel Kempf. Ähnlich sieht es Frank Brandstetter, der Handball-Abteilungsleiter des TVO: „Natürlich ist Platz vier und der Einzug in die Aufstiegsrunde unser Wunschziel“, sagt er, „aber das wollen die anderen sieben Teams in unserer Gruppe auch. Deshalb warten wir einfach mal ab, wie es läuft.“
Der große Vorteil des TV Oberkirch gegenüber den Konkurrenten könnte die Konstanz im Kader sein. Während andere Teams in der Corona-Pause einen großen Umbruch vollzogen oder sogar neue Spielgemeinschaften gebildet haben, gehen die Renchtäler mit praktisch unverändertem Personal in die neue Runde. Einzig Ersatztorwart Lionel Gasser hat den Verein verlassen und sich dem Ligakonkurrenten TV Herbolzheim angeschlossen. „Natürlich hilft es manchmal, wenn man frisches Blut reinbringt“, weiß Kempf, „aber uns ist es wichtiger, dass wir ein Team aufs Feld schicken, mit dem sich der Verein und die Zuschauer identifizieren können. Und wir haben jetzt eine Mannschaft mit fast ausschließlich Oberkircher Jungs.“

Gerüst mit Erfahrung

Die Philosophie des Vereins macht es für den Trainer auch einfacher, den Nachwuchs aus den eigenen Reihen zu integrieren. „Die Jugendlichen sehen, dass sie bei uns in der Südbadenliga eine Chance kriegen, weil es andere vor ihnen schon geschafft haben. Sie müssen also nicht den Verein wechseln“, freut sich Kempf, der in der Vorbereitung ein „dichtes Leistungsniveau“ beobachtete, weil „die jungen Spieler Druck machen und sich die Älteren nicht ausruhen können. Man muss schauen, dass es für keinen zu bequem wird“.
Trotzdem bilden ­erfahrene Akteure wie Timo Roll, Tomislav Barberic, Samuel Siefermann oder Abwehr-Leitwolf Dominik Groß weiterhin das Gerüst des TVO. Und damit soll in der zweigeteilten Südbadenliga zumindest der vierte Vorrundenplatz erreicht werden, um die Qualifikation für die Aufstiegsrunde zu schaffen. Allerdings tut man sich schwer, die Chancen einzuschätzen. „Es ist nach einer so langen Pause praktisch unmöglich, den Rundenverlauf vorauszusehen. Da spielen so viele Faktoren eine Rolle“, sagt Brandstetter, für den „jedes Spiel irgendwie eine Wundertüte“ wird.

Felix Brandstetter fällt aus

Auch Kempf wagt keine Prognose: „Viel wird davon abhängen, wie wir in die Saison reinkommen.“ Denn zum Auftakt warten auswärts beim TV Herbolzheim und im ersten Heimspiel gegen Neuling SG Ohlsbach/Elgersweier gleich zwei anspruchsvolle Aufgaben. Deshalb setzt Kempf lieber andere Prioritäten: „Wir wollen authentisch bleiben. Das ist letztlich wichtiger als die Platzierung.“
Bis auf einen Spieler steht ihm zum Saisonstart wohl der komplette Kader zur Verfügung. Felix Brandstetter hat sich vor zwei Wochen im Training einen Kreuzbandriss zugezogen und fällt lange aus. „Das ist schade, er hatte sich gut entwickelt und hätte definitiv seine Spielzeiten bekommen“, so Kempf.

70 Zuschauer bei Heimspielen

Wie bei allen Vereinen laufen auch beim TVO im Hintergrund die Planungen in Sachen Hygienekonzept auf Hochtouren. „Nach aktuellem Stand planen wir mit 70 Zuschauern pro Spiel. Gästefans werden nicht zugelassen“, berichtet Brandstetter, der in ständigem Kontakt mit der Stadt Oberkirch bezüglich der Nutzung der Oberdorfhalle ist. „Es geht ja nicht nur um die Spiele der ersten Mannschaft, sondern bis runter zur E-Jugend. Wir müssen nach jedem Spiel die Halle komplett desinfizieren. Das ist ein wahnsinniger Aufwand“, stöhnt er. Zudem gehen dem Verein wichtige Einnahmen verloren. Im Schnitt besuchen rund 250 bis 300 Zuschauer die TVO-Heimspiele, bei Toppartien sind es bis zu 500. „Wir brauchen vor allem die Bewirtungseinnahmen, um zumindest die Schiedsrichterkosten decken zu können“, so Brandstetter. Aber letztlich ist man auch in Oberkirch froh, „dass wir zumindest überhaupt wieder spielen können“.

 

Der Kader:

Tor: Marc Wachsmann, Henrik Nebel
Feld: Samuel Siefermann, ­Felix Brandstetter, Dennis Roll, Tino Birk, Lukas Walz, Dominik Groß, Jan Ücker, Christian Schlenk, Marco Eckenfels, Marc Mössner, Stefan Kofler, Tomislav Barberic, Max Schmidt, Timo Roll, Alex Fies, Alex Brandstetter, Marcel Faltien

Trainer: Daniel Kempf
Co-Trainer: Thomas Armbruster

Zugänge: keine

Abgänge: Lionel Gasser (TV Herbolzheim)

Zum Seitenanfang