Die Gallier von der Alb haben am Freitagabend gegen den TuS N-Lübbecke mit 26:24 (13:10) den nächsten Heimsieg unter Dach und Fach gebracht.


Es war saisonübergreifend der 24. in Folge, der in der Schlussphase allerdings am seidenen Faden hing. Was bis zur 40. Minuten nach einem entspannten Handballabend aussah, entwickelte sich zu einem hochdramatischen Krimi mit happy end für die Schwaben. Während der HBW damit weiterhin mit drei Punkten Vorsprung das Klassement anführt, hat Lübbecke jetzt bereits zehn Zähler Rückstand auf die Aufstiegsplätze und dürfte damit endgültig aus dem Rennen sein.

„Ich bin super zufrieden“, war HBW-Trainer Jens Bürkle nach dem Spiel sichtlich erleichtert und tatsächlich hatte seine Mannschaft das Spiel gegen den Erstligaabsteiger zunächst im Griff. Den 1:0-Rückstand zu Beginn der Partie haben seine Jungs schnell in eine 2:1-Führung gedreht und nach einem von Oddur Grétarsson erfolgreich verwandelten Strafwurf zum 5:4 zog der Tabellenführer mit einem Zwischenspurt auf 7:4 (13. Min.) davon. Die Hausherren hatten das Spiel zwar unter Kontrolle, konnten sich aber nicht weiter absetzen, weil die Gäste aus Ostwestfalen immer wieder mit schnellen Gegentoren zum Erfolg kamen.

In der 17. Spielminute schickten die beiden Unparteiischen den Lübbecker Patryk Walczak für zwei Minuten auf die Bank. Den zusätzlich fälligen Strafwurf konnte Oddur Grétarsson allerdings nicht verwandeln. Besser machte es Gregor Thomann, der eine Zeigerumdrehung später, den nächsten Strafwurf erfolgreich zum 10:8 verwandelte. Noch in Unterzahl versuchte es der Ex-Balinger Valentin Spohn mit Gewalt. Sein Geschoss knallte allerdings gegen die Latte und von dort direkt in die Hände von Balingens Top-Torschütze Oddur Grétarsson. Der sah, dass das Lübbecker Tor noch leer war, weil die Gäste die Unterzahl mit dem 7. Feldspieler ausgeglichen hatten, und netzte vom eigenen Wurfkreis zum 11:8. Zeit für Lübbeckes neuen Chef-Coach Heidmar Felixson seine erste Auszeit zu nehmen. Spohn zog allerdings die nächste Fahrkarte und Gregor Thomann erhöhte im Gegenzug, erneut von der Siebenmeterlinie, zum 12:8.

Mit 13:10 ging es schließlich in die Kabine und aus der kamen die Balinger mit einem ganz starken Lauf. „Bis zum 19:12 haben wir das überragend gemacht“, lobte Chef-Trainer Jens Bürkle seine Jungs über den grünen Klee. Die haben sogar eine Unterzahl – Marcel Niemeyer saß für zwei Minuten auf der Sünderbank – mit 2:0 für sich entschieden und als Jona Schoch nur wenig später den Ball zum 18:11 in die Lübbecker Maschen schweißte, war die „Hölle Süd“ am Kochen. Auch das 19:12 durch „Manni“ Marcel Niemeyer, der zuvor noch am Lübbecker Torhüter gescheitert war, wurde frenetisch gefeiert.

„Wir haben dann etwas überpowert und die Bälle zu schnell hergegeben“, erklärt Trainer Bürkle in der abschließenden Pressekonferenz, warum der TuS N-Lübbecke nochmals ins Spiel zurückkam. Fünf Minuten blieben seine Jungs ohne eigenen Treffer und die Gäste verkürzten auf 19:15. In einer Auszeit versuchte Balingens Trainer zum einen den Lauf der Ostwestfalen zu unterbrechen und zum anderen seiner Mannschaft wieder neue Impulse mit auf den Weg zu geben. Im Angriff setzte Bürkle auf den 7. Feldspieler zu Gunsten des Torhüters. Einen mit zwei Kreisläufer herausgeholten Strafwurf verwandelt Gregor Thomann zum 20:15, aber rund lief es trotzdem nicht. Die Gäste hatten Morgenluft gewittert und setzten den Tabellenführer weiter unter Druck. Jetzt zeigten sie ihre Klasse, die sie im Kader haben und spätestens nach dem 21:19, zehn Minute vor dem Schlusspfiff, war es wieder eine völlig offene Partie, die sich zu einem echten Handballkrimi entwickelte. Als Dener Jaanimaa in der 58. Spielminute den 24:24-Ausgleich erzielte, schienen den Balinger die Felle endgültig davon zu schwimmen, zumal sie auch noch in Unterzahl waren und durch angezeigtes Zeitspiel zusätzlich unter Druck gerieten. Jona Schoch behielt aber die Nerven, tankte sich durch, ließ sich auch durch eine Hand im Gesicht nicht mehr aufhalten und traf zum 25:24.

Zwanzig Sekunden vor Spielende nahm Lübbeckes Trainer seine letzte Auszeit. Da dem Tabellenfünfte bei angezeigtem Zeitspiel danach aber nur noch zwei Pässe übrigblieben, versuchten sie ihr Glück mit einem Kempa-Anspiel und jetzt wurde der Ex-Balinger Spohn zur tragischen Figur für seine Mannschaft. Völlig frei scheiterte er mit dem Kempa-Versuch an Balingens Torhüter Tomáš Mrkva und dann stand er seinem Mitspieler Jens Bechtloff auch noch im Weg bei dessen Wurfversuch. Der Ball war zehn Sekunden vor dem Spielende bei Balingen und Bürkle nahm seine letzte Auszeit. Er gab ihnen ganz genau mit auf den Weg, was sie sich bei offener Manndeckung bewegen sollen und es kam, wie er es geplant hatte. Gregor Thomann lief sich an der Außenlinie frei, bekam von Jannik Hausmann den Ball wunderbar in den Lauf gespielt und der von seiner Bänderverletzung Wiedergenese machte mit dem 26:24 den Deckel auf die Partie.

HBW Balingen-Weilstetten: Tomas Mrkva, Vladimir Božić (TW); Rene Zobel, Marcel Niemeyer 2, Matthias Flohr, Jannik Hausmann 3, Gregor Thomann 4/3, Lars Friedrich, Tim Nothdurft 2, Benjamin Meschke, Oddur Gretarsson 6/1, Niklas Diebel, Juan De La Peña 1, Jona Schoch 5, Diogo Oliveira, Lukas Saueressig 3;

TuS N-Lübbecke: Peter Tatai, Joel Birlehm (TW); Jo Gerrit Genz 3, Patryk Walczak, Jens Bechtloff 4, Lukasz Gierak 1, Marko Bagaric 2, Peter Strosack 1, Luka Rakovic 1, Nenad Nedeljkovic, Valentin Spohn 5, Dener Jaanimaa 2, Moritz Schade 1, Marian Orlowski 4/1;

Zeitstrafen
HBW 5, TuS 5;

Strafwürfe
HBW 5/4, TuS 4/1;

Nächstes Spiel: (Grün-)Donnerstag, 18. April, 19 Uhr, Erzgebirgshalle in Lößnitz, EHV Aue – HBW Balingen-Weilstetten.

HBW Balingen-Weilstetten  TuS N-Lübbecke

Zum Seitenanfang