Michael Haßferter im Duell gegen den 13-fachen Torschützen Tom Skroblien. ©HSG Konstanz

Das erste Geisterspiel in der Geschichte der HSG Konstanz – am Freitag, dem 13. – war nach einer ordentlichen ersten Halbzeit für die Gastgeber ohne ihre enthusiastischen Fans eine ernüchternde Angelegenheit.


Der dreimalige Europapokalsieger TuS N-Lübbecke dominierte nach rund 40 Minuten das Geschehen eindeutig und fuhr einen deutlichen 33:24 (13:11)-Sieg ein. Für die HSG Konstanz bieten sich allerdings schon am Mittwoch in Dormagen und am Sonntag im nächsten Heimspiel ohne Fans gegen Ferndorf die nächsten Chancen.

Emotionen fehlen


So hatte man die Schänzle-Hölle noch nie gesehen, fast menschenleer, ihrer sonst bombastischen Stimmung beraubt. „Das war schon komisch“, schilderte Trainer Daniel Eblen seine Eindrücke von der traurigen Premiere. „Das ist nicht der Sport, den wir alle lieben. Es fehlen die Emotionen.“ Seine junge Mannschaft konnte dem mit einigen aktuellen und ehemaligen Nationalspielern angereisten Gegner zunächst vor allem dank eines stark aufgelegten Michael Haßferter im Tor gut Paroli bieten. Aron Czako besorgte so das 3:1, Peter Schramm wuchtete den Ball zur 4:2-Führung in die Maschen.

Gäste spielen routiniert auf


Doch nach einer Viertelstunde wechselte nicht nur der Vorteil auf Gästeseite (5:6), auch wurden die Konstanzer Defizite an diesem Tag immer deutlicher. Vor allem im Angriff harzte es gewaltig, durch die Bank bei der gesamten Mannschaft. Viele technische Fehler führten zu einfachsten Kontertoren für die Westfalen, dazu gesellte sich eine viel zu geringe Effektivität bei eigenen freien Abschlüssen vom Kreis, von Außen und auch gleich dreimal vom Siebenmeterpunkt. Alles Futter für den routiniert und kühl auftretenden TuS, der die Einladungen dankend annahm und sehr konsequent verwertete. Allen voran Linksaußen Tom Skroblien war mit 13 Toren aus 14 Versuchen überhaupt nicht zu kontrollieren und traf selbst aus schwierigsten Winkeln.

Gerade in diesen schweren Phasen machte sich die für Konstanzer Verhältnisse fehlende Unterstützung von den Rängen für die Heimmannschaft schon bemerkbar. Eblen: „Wir kommen über die Emotionen und den Kampfgeist. Meine Trainerkollegen erzählen mir immer wieder, dass die Atmosphäre bei uns am Schänzle stets eine besondere ist.“

Comeback von Tim Jud

So musste sich die HSG alleine helfen. Kapitän Tim Jud etwa fügte sich nach langer Verletzungspause auf Anhieb wieder gut in die Partie ein und konnte seinen Kapitänskollegen Tom Wolf entlasten. Am gebrauchten Tag für die Hausherren konnte aber auch er nichts mehr ändern, nachdem die HSG es verpasst hatte, sich in den Anfangsminuten das nötige Selbstvertrauen zu holen (Eblen). Es fehlte mehr und mehr die Überzeugung in den eigenen Würfen und der Zug zum Tor. Bis zum Spielende konnte Lübbecke alleine zehn Treffer über den Tempogegenstoß markieren.

Dauernde Nackenschläge


Eblen konnte das Dilemma gut auf den Punkt bringen: „Wir standen im Positionsangriff immer wieder gar nicht so schlecht. Aber nur, um uns vorne eigentlich selbst den Ball ins Tor zu legen.“ Von den andauernden Nackenschlägen konnten sich die Gelb-Blauen nicht erholen, ganz im Gegenteil. Lübbecke zog trotz Aufbäumens und Abwehrumstellung der HSG weiter einsam seine Bahnen und gewann auch in der Höhe verdient mit neun Toren.

„Es mag am Bildschirm vielleicht so ausgesehen haben, als ob Konstanz keine so leistungsstarke Mannschaft sei“, bilanzierte Gästecoach Emir Kurtagic. „Ich aber glaube, die haben viel Qualität. Doch wir konnten stark dagegenhalten.“

Mittwoch in Dormagen

Am Mittwoch ist die HSG Konstanz schon wieder in Dormagen gefordert, am Sonntag, 17 Uhr, folgt das nächste Heimspiel gegen den TuS Ferndorf. Erneut als Geisterspiel ohne Zuschauer. „Es ist gut“, blickt der HSG-Coach voraus, „dass wir gleich wieder ran dürfen.“

Das komplette Spiel im Re-live auf www.hsgkonstanz.de/livestream.

HSG Konstanz – TuS N-Lübbecke 24:33 (11:13)

HSG Konstanz: Maximilian Wolf (2 Paraden), Michael Haßferter (8 Paraden), Moritz Ebert (alle Tor); Michel Stotz, Aron Czako (1), Matthias Hild (2), Tom Wolf, Markus Dangers (3/1), Felix Krüger (1), Fabian Maier-Hasselmann (1), Fynn Beckmann, Joschua Braun (3/2), Tim Jud (4/1), Samuel Wendel (3), Peter Schramm (5), David Kneževic (1).
Trainer: Daniel Eblen

TuS N-Lübbecke: Rezar (10 Paraden/davon 2 Siebenmeter), Jepsen (4 Paraden/ davon 1 Siebenmeter) (beide Tor); Becvar (1), Heiny (1), Ebner (3), Petreikis (2), Bagaric, Strosack (3), Mundus, Dräger (1), Spohn (6), Nissen, Speckmann (2), Petrovsky (1), Skroblien (13/4), Criciotoiu.
Trainer: Emir Kurtagic

Zuschauer: 0 in der Schänzle-Sporthalle Konstanz
Schiedsrichter: Jan und Manuel Lier.
Zeitstrafen: Konstanz 0 Min. / Lübbecke 4 Min. (Petrovsky, Becvar je 2 Min.)

Siebenmeter: Konstanz 4/7 (Tom Wolf und Jud scheitern an Rezar, Braun scheitert an Jepsen) – Lübbecke 4/4

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