Es hätte schon wirklich alles passen müssen, damit die HSG Konstanz die Überraschung beim nun Tabellenvierten HC Elbflorenz Dresden hätte landen können. Vieles hat gepasst, doch am Ende waren die Belastung nach dem frühen Ausfall von Kapitän Tom Wolf und die Fehlerquote zu hoch, um beim Spitzenteam mehr als ein etwas zu deutlich ausgefallenes 28:35 (14:17) zu holen.
Denn vor allem die erste Halbzeit kann als eine sehr gute verbucht werden. Mit hoher Intensität und hohem Einsatz in der Deckung, in der sich wieder einmal Michel Stotz mit einer starken Leistung hervortat, konnten die Gäste vom Bodensee den großen Favoriten zunächst überraschen. Nach knapp sieben Minuten war es der furios aufspielende Joschua Braun, der mit seinem zweiten von später insgesamt acht Treffern das 5:3 für seine Farben erzielte.

Über welche Klasse die Sachsen verfügen, wurde jedoch innerhalb weniger Minuten deutlich. Trotz Kontaktes und ungünstiger Wurfpositionen schleuderten Mindaugas Dumcius, Sebastian Greß und Co. den Konstanzern die Bälle um die Ohren und drehten die Partie zum 8:6. Die gingen jedoch nicht K.o., sondern stabilisierten sich. Bis knapp sieben Minuten vor dem Seitenwechsel konnten sie sich das Remis in einer engen Partie immer wieder zurück erkämpfen (13:13). In den letzten Minuten vor der Pause fehlten den Gelb-Blauen Kleinigkeiten. Der letzte Schritt, die nötige Ordnung oder aber etwas Glück bei umstrittenen Entscheidungen. Ein Heber landete am Aluminium, eine ärgerliche Unterzahl musste verkraftet werden, und ein Tor fand keine Anerkennung, weil ein Pass zu viel gespielt worden war. Dazu kam ein Offensivfoul, sodass es nur zu konstatieren gab, dass wohl sogar noch etwas mehr möglich gewesen wäre als ein Drei-Tore-Rückstand.

Gegen viele andere Gegner hätte sich die HSG mit dieser Leistung einige Möglichkeiten auf Zählbares erarbeitet. Dresden jedoch demonstrierte immer, wenn es gefordert wurde, seine Klasse. Immerhin ließen die Konstanzer, die im zweiten Durchgang bis auf einen Siebenmeter komplett auf ihren Kapitän und Spielmacher Tom Wolf verzichten mussten, nicht locker. Der Abstand blieb lange bei fünf Toren konstant.

Beim Stand von 31:27 bot sich mit einem völlig freien Gegenstoß noch einmal eine kleine Chance für die HSG – doch der gute HC-Keeper Max Mohs fischte auch diesen Versuch weg. Danach schwanden die Kräfte der HSG Konstanz nach drei Spielen innerhalb einer Woche, davon zwei weite Aufwärtsfahrten hintereinander, zusehends. Die Gastgeber nutzen die Freiräume und nachlassende Intensität in der Deckung der HSG zu 35 Toren. Damit war Trainer Daniel Eblen trotz insgesamt ordentlicher Leistung nicht zufrieden: „In der Defensive haben wir gegen Ende den Fuß nicht mehr auf den Hallenboden bekommen. Dresden war auf der anderen Seite auch sehr gut, sehr variabel und hat 60 Minuten lang Druck gemacht.“ Der formstarke Gegner konnte damit sechs seiner letzten acht Duelle gewinnen, davon die letzten drei in Folge.

„Einmal hätten wir vielleicht noch eine kleine Chance gehabt, wenn der Gegenstoß reingeht und wir auf vier rankommen“, so der HSG-Coach. „Aber man muss anerkennen, dass der Gegner eine Stufe besser war.“ Der 46-Jährige hofft nun vor allem, dass die beiden angeschlagen ausgewechselten Michael Haßferter und Tom Wolf nicht länger ausfallen. In Dresden wollte der Übungsleiter kein Risiko eingehen und ließ beide lange auf der Bank. Wolf klagte über muskuläre Probleme, Haßferter hatte sich am Knie wehgetan.
Das Spiel seiner Mannschaft sei in der ersten Halbzeit nicht schlecht gewesen, bilanzierte Eblen. „Wir wissen aber auch, woran wir arbeiten müssen. 35 Gegentore sind natürlich zu viele.“ Am Freitag kommt mit dem Tabellenführer Handball Sport Verein Hamburg der aktuelle Tabellenführer in die Schänzle-Sporthalle. Mit im Gepäck: Die beindruckende Bilanz von zwölf Spielen ohne Niederlage, davon elf Siege hintereinander.

HC Elbflorenz Dresden – HSG Konstanz 35:28 (17:14)
HSG Konstanz: Maximilian Wolf (6 Paraden), Michael Haßferter (4 Paraden) (beide Tor); Michel Stotz (1), Fabian Schlaich (2), Felix Jaeger, Matthias Hild (2), Tom Wolf (2/1), Markus Dangers (7), Felix Krüger (1), Fabian Maier-Hasselmann, Fynn Beckmann, Joschua Braun (8), Tim Jud (1), Patrick Volz (3), Peter Schramm, David Kneževic (1).
Trainer: Daniel Eblen
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