Streckenweise konnte die HSG Konstanz ohne sieben Spieler, darunter der beste Feldtorschütze Mathias Riedel, beim Tabellenführer TuS N-Lübbecke mithalten, am Ende stand dennoch der unter diesen Umständen standesgemäße 37:26 (19:15)-Sieg des künftigen Erstligisten gegen den Zweitliga-Aufsteiger vom Bodensee.

Auf der einen Seite der Tabellenführer, der in eigener Halle mit einer blütenweißen Weste und nun 20:0 Punkten aufwarten kann, über jede Menge Erstliga- und internationale Erfahrung verfügt sowie aus dem Vollen schöpfen kann. Auf der anderen Zweitliga-Rückkehrer HSG Konstanz mit erneut sieben Ausfällen und nur neun Feldspielern im ohnehin schon jungen und unerfahrenen Aufgebot. Konstanz musste somit neben den Langzeitverletzten Bösing, Lauber und Both mit Chris Berchtenbreiter nicht nur auf drei etatmäßige Kreisläufer verzichten, sondern auch mit einem schwer dezimierten Rückraum auskommen. So meldete sich Mathias Riedel, bester Konstanzer Feldtorschütze, am Tag vor der Abreise Ostwestfalen mit Grippe ab und Linkshänder Felix Krüger – ebenfalls erkrankt – fehlte im rechten Rückraum. Dazu war Mittelmann Matthias Stocker nach gerade so ausgestandener Grippe noch nicht wieder im Vollbesitz seiner Kräfte.

Was sich alles nach einer eindeutigen Angelegenheit anhört, war zumindest in den ersten 30 Minuten nicht das erwartet einseitige Kräftemessen. Konstanz hielt zunächst gut mit, ging sogar durch Felix Gäßler mit 4:3 in Führung (7.) und erwies sich auch danach als echte Klette, die sich nicht richtig abhängen ließ. Mit einer insgesamt soliden Leistung und einem bei sieben Versuchen siebenmal vom Siebenmeterstrich erfolgreichen Gregor Thomann konnte sich der TuS N-Lübbecke nie mehr als einen Fünf-Tore-Vorsprung erarbeiten, obwohl immer wieder die große individuelle Klasse auf allen Positionen deutlich zu Tage trat und der Tabellenführer um ein sehr hohes Tempo bemüht war. Gerade in der ersten und zweiten Welle waren die Ostwestfalen brandgefährlich und nutzen jeden Fehler der HSG eiskalt aus.

Doch die Moral und der Kampfgeist bei den Gästen stimmten. Als Kapitän Fabian Schlaich einen Urschrei durch die Arena hallen ließ und Torhüter Konstantin Poltrum etwas immer besser in die Partie kam konnten das verletzungsgebeutelte HSG-Team zur Pause gar noch einmal auf 19:15 verkürzen.

Halbzeit zwei geriet dann allerdings doch zum Einbahnstraßen-Handball, weil mit schwindenden Kräften und wenigen Wechselmöglichkeiten die Fehlerquote bei der HSG Konstanz deutlich stieg und Lübbecke weiter hohes Tempo ging. „Wir haben heute nicht gut genug gespielt, um hier irgendetwas zu holen. Die Ausfälle sind natürlich bitter – aber nicht nur daran lag es“, erklärte Fabian Schlaich enttäuscht, fügte aber an. „Der Kampf hat insgesamt gestimmt, das war in Ordnung.“

Vor allem Ramon Taubo war es in der Schlussviertelstunde, der im Gegenstoß ein um das andere Mal zauberte und die 1782 Fans in der Merkur-Arena verzückte. Nach 48 Minuten lag Nettelstedt so erstmals mit zehn Treffern in Front und baute den Vorsprung zwischenzeitlich bis auf zwölf Tore aus, sodass Simon Flockerzie nach dem Spiel nüchtern feststellte: „Diese elf Tore war Lübbecke auch einfach mit seinem Kader gegen unser heutiges Aufgebot besser. Nur die Art und Weise hat mir am Ende nicht gefallen. Man darf hier – gerade in der für uns sehr schwierigen Situation – verlieren, aber kämpferisch hätte am Ende noch etwas mehr kommen müssen.“ Das Problem für den Kreisläufer: die ungenügende Deckung, die beide Torhüter kaum in das Spiel kommen ließ. „26 eigene Tore dagegen passen schon, aber Mathias Riedel hat natürlich nicht nur vorne, sondern auch in der Deckung gefehlt.“

Fabian Schlaich und die HSG Konstanz freuen sich deshalb schon auf das erste Heimspiel im neuen Jahr gegen Hüttenberg am Freitag in der „Schänzle-Hölle“, wo wieder auf die Unterstützung der eigenen Fans gesetzt wird.

TuS N-Lübbecke – HSG Konstanz 37:26 (19:15)

TuS N-Lübbecke: Nikola Blazicko, Peter Tatai (Tor); Jo Gerrit Genz (5), Ante Kaleb (4), Jens Bechtloff (4), Piotr Grabarczyk, Lukasz Gierak (7), Ramon Tauabo (4), Rene Gruszka (2/1), Nils Torbrügge (4), Pontus Zettermann (4/3), Branimir Koloper, Kenji Hövels, Tim Remer (3). Trainer: Aaron Zierke

HSG Konstanz: Konstantin Poltrum, Patrick Glatt (Tor); Fabian Schlaich (2), Gregor Thomann (10/9), Simon Flockerzie, Matthias Stocker (3), Michael Oehler, Paul Kaletsch (3), Fabian Maier-Hasselmann (1), Felix Gäßler (5), Tim Jud (2). Trainer: Daniel Eblen

Zuschauer: 1782
Schiedsrichter: Hurst/Krag.

TuS N-Lübbecke  HSG Konstanz

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