HG gibt nach 20:14 Derby aus der Hand
Nach diesem Unentschieden, dem 23:23 (12:8) zwischen den Drittliga-Handballern der HG Oftersheim/Schwetzingen und der in der Mitte-Staffel zweitplatzierten SG Leutershausen, waren sich in Schwetzingens Nordstadthalle fast alle einig: Die Hausherren hatte den mehr als möglichen Sieg in den letzten Minuten weggeworfen und ihrem Gast einen glücklichen Gewinn erlaubt.


Die Ansichten wurden durch die Bewertungen der Trainer gestützt. „Es war ein Punktgewinn, der sich wie eine Niederlage anfühlt“, gestand HG-Coach Holger Löhr seine Enttäuschung ein. „Das fühlt sich im Moment ein wenig komisch an.“ Sein Gegenüber von der SGL, Frank Schmitt, sprach vom „glücklichen Punktgewinn“. Zwar hatte sein Team etwas besser in die Partie gefunden (0:2, 1:3), musste dann aber bis fast in die Schlusssekunde einem Rückstand hinterherlaufen.

Löhr hatte von seinen Jungs gefordert: „Wir müssen in der Abwehr rackern, mit allem, was dazugehört und unser Herz zeigen.“ Dies setzten sie auch auf dem Feld um, ähnliches hatten sich wohl aber auch Leutershausens Männer auf ihre Fahne geschrieben, was die anfängliche Torarmut erklären dürfte. Bereits in Minute 4 musste HG-Kreisläufer sein zerrissenes Trikot umtauschen. Als nach fast einer Viertelstunde die erste heimische Führung zum 4:3 fällig, war auch „Nigges“ nächstes Trikot hinüber. Kurzum, es war eine Partie für Freunde des gepflegten Abwehrspiels.

Aber es wurde auch taktisch agiert. Löhr streute früh den siebten Feldspieler in die Angriffsbemühungen ein, änderte ab und zu die Deckungsformation. Maßnahmen zu denen auch Schmitt zuweilen griff. Doch bis über die Mitte der zweiten Hälfte hinweg steuerte der Gastgeber scheinbar einem souveränen Sieg entgegen. Dabei hatten sich bei der HG nach dem Seitenwechsel einige Probleme im Positionsangriff aufgezeigt, der Vorsprung wurde dennoch auf maximal sechs Tore Differenz ausgebaut.

„Wir haben eigentlich feinen Handball mit viel taktischer Variabilität gespielt und dies dann eingestellt, keine Lösungen mehr im Angriff gefunden und dann kamen auch noch zwei Übertritte hinzu“, stellt Löhr seine Sicht dar. Drastisch ging Schmitt zunächst mit seinen Leuten ins Gericht: „Wir haben nur 20 Minuten Handball gespielt, die restliche Zeit den Ball nur hin und her geschuggt, waren überfordert. Das Spiel war eigentlich schon gelaufen. Wir hatten zu wenig Tempo, zeigten keinen Willen, uns durchzusetzen, trugen selbst schuld am Rückstand.“

Während bei Oftersheim/Schwetzingen phasenweise vorne gar nichts mehr zusammenlief, kam langsam der frühere HG-Akteur Hendrik Wagner auf Halblinks in Schwung. Zuvor war er bei der gegnerischen Deckung gut aufgehoben gewesen, machte keinen Stich. Doch vier Treffer in Folge von ihm ließen Leutershausen aufkommen. „Wir hätten ihn vielleicht mehr wegnehmen sollen“, überlegte Löhr öffentlich, ob er da am Ende nicht einen Fehler gemacht hätte. „Wagner hat den Unterschied gemacht.“

Schmitt freute sich nicht nur über die späte Treffsicherheit seines Shooters: „Bei uns hat die Moral gestimmt, ich zolle meinen Jungs großen Respekt.“ Denn nach den technischen Fehlern der HG schalteten die Bergsträßer schneller um. Sven Schreiber nagelte von hinten zum Anschlusstreffer ein (59:14), nach dem finalen Ballverlust Oftersheim/Schwetzingens landete das Wurfgerät bei Philipp Bernhardt am Kreis, der zwei Sekunden vor Abpfiff ausglich. Löhr forderte für die Zukunft: „Dinge, die gut klappen, dürfen nicht nur 50 Minuten klappen.“

Spielfolge: 0:2, 4:3, 7:6, 10:6, 12:8 (HZ), 13:8, 20:14, 20:18, 23:20, 23:23.

HG: Müller, Herb; Messerschmidt (2), Jansen (4), Schmidberger, L. Sauer (6/5), Jungmann, Suschlik, A. Sauer (1), Burmeister (2), Krämer (3), Meddeb.

SGL: Hübe, Gärtner, Doeding; Schwerdtfeger, Schwarz, Muth, Ruß, Wichmann, Seganfreddo, Schmitt (4), Pauli (4/1), Schreiber (5), Wagner (6), Mantek (1), Rolka (1), Bernhardt (2).

SR: Becker, Nickel. 7m: 6/5:1/1. Strafminuten: 4:10. Rot Ruß (38./grobes Foulspiel). Zuschauer: 850 (ausverkauft).



HG Oftersheim/Schwetzingen  SG Leutershausen
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