TVG Großsachsen – HG Oftersheim/Schwetzingen 22:24 (12:7). Die Drittliga-Handballer Oftersheim/Schwetzingens sind weiterhin in der Lage – in jeder Hinsicht – zu überraschen, siegten in Hanau, gestatteten Leutershausen ein Remis in Schwetzingen und düpierten jetzt dessen Ortsrivalen Großsachsen in seiner Sachsenhalle.


Doch wer nach gut einem Drittel der Partie noch einen Cent auf die HG gesetzt hätte wäre wohl zumindest mal sehr schief und wahrscheinlich ebenso mitleidig angesehen worden. Da hatte Hausherr TCG Großsachsen schon 10:3 (21.) geführt, während sich die Gäste eher in Zurückhaltung übten. Deren Trainer Holger Löhr opferte seine bereits zweite Grüne Karte und am Ende durfte er mit seinen Jungs sowie den zahlreichen Fans eine Wiederauferstehung ohnegleichen und einen 24:22 (7:12)-Sieg feiern. Dem Gastgeber war sein Derbyabend reichlich vermiest.

Denn bis zur Pause wurde seitens der HG der Rückstand erstmal ein wenig eingegrenzt. Hier war besonders Florian Burmeister mit den HG-Treffern vier bis sechs in Folge auffällig. Anschließend und unter Einsatz des siebten Feldspielers war die Differenz sehr schnell auf ein erträgliches Maß zurückgestuft (14:12/38.). Jetzt nutzte auch TVG-Coach Stefan Pohl das Mittel der Auszeit, welches aber weitgehend verpuffte. Moritz Schmidberger und Jerrit Jungmann, die schon eine Weile wie entfesselt aufspielten sorgten für den Ausgleich (41.). Kopf an Kopf ging es bis auf die Zielgerade (20:20/54.). Aber im Schlussspurt behielt die HG dann die Nase ein Stück weit vorne, auch wenn inzwischen Niklas Krämer nach dritter Zeitstrafe von der Tribüne aus zuschauen musste (54.). Erst legte Lino Messerschmidt vor, dann erhöhte Yessine Meddeb aus Sicht der Gäste auf 22:20. Diesen Vorteil ließ sich Oftersheim/Schwetzingen unter dem Jubel seiner zahlreichen Anhänger nicht mehr nehmen. Meddeb wurde in seinem zweiten Spiel für die HG dann prompt auch zum „Spieler des Tages“ in Großsachsen gekürt, gemeinsam mit TVG-Akteur Patrick Buschsieper.

Weitgehend zuschauen musste auf TVG-Seite auch Jan Triebskorn, obwohl er auf dem Spielberichtsbogen gelistet war. Pohl hatte gehofft, dass Triebskorn mit seiner Wadenverletzung wenigstens Abwehr spielen könnte, eine Hoffnung, die sich aber schnell zerschlagen hatte. Er wolle aber nicht groß rumjammern, seine Jungs hätten den Ausfall gut aufgefangen.

Mit dem Schlusspfiff war das Derby aber noch nicht ganz vorüber. Wie zuvor am Spielfeldrand gab es zwischen den Trainern noch ein kleines taktisches Scharmützel, dass nun in verbaler Form vor dem Auditorium vorgetragen  wurde – unter dem entsprechendem Beifall oder den Missfallensbekundungen der opponierenden Parteien.

Stimmen zum Spiel - Das Trainergespräch im Video (plus Spieler des Tages)
Holger Löhr (Coach HG): Das waren zwei Halbzeiten, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Großsachsen hat uns zunächst wirklich den Schneid abgekauft, dazu noch eine solide Abwehr gespielt. Wir waren vorne zu fahrig. Aber dass die Mannschaft Potential hat, hat sie in der zweiten Halbzeit gezeigt. Wir waren taktisch variabel, wach im Kopf. Dann erleben wir hier Derby-Feeling, Derby-Stimmung, vor allem auch von unseren Fans. Hinten raus war es Spitz auf Knopf, das kann dann so oder so ausgehen. Aber wir sind happy, dass wir hier gewonnen haben, hier siegen nicht so viele Mannschaften. Dabei hat Großsachsen gut den Ausfall von Jan Triebskorn gut kompensiert.

Stefan Pohl (Trainer TVG): Wir waren heute im Sechs-gegen-Sechs die überragende Mannschaft, aber der Handball heutzutage ist leider nicht mehr so, dass es nur darauf ankommt. Die HG hat das legitime Mittel des siebten Feldspielers genutzt, um wieder zurückzukommen und zu gewinnen. Vielleicht müssen wir auch darüber nachdenken. Natürlich müssen wir uns vorwerfen lassen, dass wir im Angriff so ein paar Dinger liegen lassen, wie am Schluss zwei, drei unglückliche. In Abwehr haben wir über  60 Minuten gekämpft, gerade mit dem Ausfall vom Jan. Aber wir haben eine Truppe mit unheimlich höherer individueller Qualität gezwungen, Sieben-gegen-Sechs zu spielen. Da macht mich megastolz.

Löhr: Das kann ich so nicht stehen lassen. In zweiten Halbzeit wirft der TVG im Sechs-gegen-Sechs nur zehn Tore gegen uns, da muss man dann halt mehr werfen. Wenn es diese taktischen Möglichkeiten gibt, muss man als Trainer halt auch mal darauf zurückgreifen. Wir sind da bei der HG vielleicht ein wenig flexibler. Wir nutzen das Mittel und gewinnen deshalb auch das eine oder andere Spiel.

Yessine Meddeb (HG): Wir sind erst hinten nicht gut ins Spiel reingekommen und vorne fanden wir keine Lösungen gegen Großsachsens 6:0-Deckung. Aber dann im Sieben-gegen-Sechs haben wir es dann überragend gemacht, die Abwehr ausgespielt. Hinten standen wir dann gut, egal ob im 6:0 oder 5:1.

Patrick Buschsieper (TVG): Wir kamen ganz gut rein, setzten uns ab, hatten eine gute Torhüterleistung. Wir kamen aus der Kabine raus, hatten uns vorgekommen, weiter das Spiel zu kontrollieren. Das hat dann nicht ganz so funktioniert, wie zu sehen war. Am Ende ist es dann bitter.

Stenogramm
TVG: Boudgoust, Richter, Hoblaj; Kernaja, Meiser (3), Triebskorn, Schulz, Hanke, Kadel, Straub, Kehlenbach (6), Reisig (2), Buschsieper (6/2), Hildebrandt (4), Ulrich (1).

HG: Herb, Müller; Barthelmeß, Messerschmidt (3), Jansen (3), Schmidberger (2), L. Sauer, Krämer, Jungmann (3), Suschlik, A. Sauer (2/2), Burmeister (6), Meddeb (5).
Schiedsrichter: Kijowski/Strüder (Bodenheim/Budenheim).
Siebenmeter: 2/2:2/3.
Zeitstrafen: 6: 10 Minuten und Disqualifikation Krämer (HG) nach dritter Hinausstellung (54.)
Spielfolge: 2:, 4:1, 6:2, 10:3, 12:7 (HZ), 13:8, 14:10, 14:14, 20:20, 20:22, 22:24.
Zuschauer: 580.

TVG Großsachsen   HG Oftersheim/Schwetzingen  

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