Wer spielen will, darf es tun - sofern der Gegner es auch will. ©Foto: Iris Rothe

Nach einer Telefonkonferenz am Donnerstag hat der Südbadische Handball-Verband (SHV) am Freitag eine Presseerklärung veröffentlicht. Tenor: Wer will, darf spielen. Allerdings bittet man die Vereine zu überlegen, ob sie dies weiterhin mit Zuschauern tun möchten.

In der Erklärung heißt es:
Der Südbadische Handballverband hat den Auftrag, Handball zu ermöglichen. Alle aktuell gültigen Verordnungen lassen sowohl den Trainingsbetrieb, als auch den Spielbetrieb in allen Sportarten zu. Inwieweit eine neue Corona-Verordnung Sport Änderungen enthalten wird, kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abgeschätzt werden.

Aus diesem Grunde sehen wir es als unsere Aufgabe an, denjenigen, die Handball spielen möchten und können, dies auch zu ermöglichen. Zeitgleich eröffnen wir all denjenigen, die es aus nachvollziehbaren Gründen ablehnen Handball zu spielen, ebenfalls die Möglichkeit die Teilnahme am Spielbetrieb auszusetzen. Kein Team wird daraus nachteilige Konsequenzen (z.B. Strafen, Gebühren) zu tragen haben. Wir haben das Vorgehen dazu kommuniziert.
Die Politik hat sich dazu entschlossen, der Covid-19-Pandemie mit lokalen Konzepten zu begegnen. Diese werden selbstverständlich auch wir vollumfänglich unterstützen.
„Dazu gibt der SHV einen Blick auf die abgesetzten/abgesagten Spiele des vergangenen Wochenende:

◼ SHV Ebene 20%
◼ Rastatt 8%
◼ OG/Schwarzwald 24%.
◼Freiburg/Oberrhein 5%
◼Hegau-Bodensee 11%

Oder anders ausgedrückt: Zwischen 76 und 95% aller Spiele haben stattgefunden.
Dieses Bild stelle sich im HV Württemberg und anderen Landesverbänden gänzlich anders dar. Deshalb haben andere Landesverbände auch anderen Handlungsdruck und werden hier gegebenfalls schneller entscheiden als der SHV, so der SHV.
Weiter heißt es in der Erklärung: „Die Saison ist noch lang, und wir werden um jedes Spiel froh sein, das wir jetzt spielen. Denn dann wird der Effekt bei einer Unterbrechung immer kleiner (Saisonende im Juli?; Quotientenregel auf breiter Basis!; Qualifikation im Jugendbereich?!). Sofern die Maßnahmen der Landesregierung und die lokalen Konzepte greifen, wird der Spielbetrieb auch in den einzelnen Regionen wieder in den Regelbetrieb kommen können. Ein geregelter und verpflichtender Spielbetrieb, unter den für diese Saison geplanten Voraussetzungen, kann, wie bereits letzte Woche verkündet, immer dann stattfinden, wenn die Fallzahlen der Neuinfizierten an sieben aufeinanderfolgenden Tagen unter 50 (pro 100.000 innerhalb von 7 Tagen) liegen.“

Aufgrund der Änderungen im Beherbergungsverbot hat der SHV seine Beschlüsse bezüglich Aus- und Fortbildung sowie Maßnahmen im Jugendleistungssport von letzter Woche wie folgt angepasst:
◼ Teilnehmer zu Lehrgängen an den Sportschulen sind unter den dortigen Bedingungen zulässig.
◼ Stützpunkte und Fördergruppen werden analog den DHB-Stützpunkten ausgesetzt.
◼Die Kaderlehrgänge für die SHV-Auswahlen werden unter strengen Hygienevorschriften weitergeführt.

Im Bereich der Lehre:
◼Die begonnenen Ausbildungen werden zu Ende geführt, neue allerdings bis auf Weiteres verschoben. Chris Armbruster hat z.B. die neue Reihe der C-Trainer-Ausbildung bereits verschoben.


Unabhängig von rechtlichen Vorgaben, teilte Alexander Klinkner, der Präsident des Südbadischen Handballverbandes, folgende persönlichen Punkte mit, die das Präsidium ebenso mitträgt:
„Verzicht auf Zuschauer!
Mit Return to Competition hat sich der deutsche Handball in den Spielbetrieb zurück gearbeitet.
Lasst uns jetzt nicht – sofern keine behördlichen Vorgaben entgegenstehen – von Stufe 8 auf Stufe 0 oder 1 zurückspringen. Sondern lasst uns von 8 auf 7 zurückgehen und die Zuschauer außen vor lassen. Das stellt sicher, dass es zu keinem Verstoß gegen die Hygienekonzepte kommen kann.“
Gleichzeitig stellte Alexander Klinkner klar: „Der SHV kann dies nicht vorschreiben. Hingegen kann dies jeder Halleneigner und jeder Verein entscheiden. Einige haben dies bereits entschieden.“
Es gebe mehrere Dienste, die Video-Streaming ermöglichen. Eine Möglichkeit also, Spiele live von zu Hause verfolgen. „Auch hier finde ich die Lösungen, die ich bisher ausprobieren konnte, sehr gut, einschließlich der eingebundenen Video-Werbung“, so Klinkner.
Weiter führt er aus: „ Sicher fehlen den Vereinen damit finanzielle Quellen – hier kann ich auf interessante Crowdfunding-Möglichkeiten hinweisen. Mein Heimatverein hat hier sehr erfolgreich Gelder akquirieren können. Sicher kein Ersatz für das mehrtägige Sportfest, aber der Ertrag liegt bei mehreren Tausend Euro.“
Gleichzeitig appelliert Klinkner an das Verhalten in der „dritten“ Halbzeit: „Ich höre, lese und sehe, dass die Spielerinnen und Spieler sich während des Spiels sehr verantwortungsvoll verhalten. Ich höre, lese und sehe – und kann dies sehr wohl aus eigener Erfahrung sehr gut nachvollziehen – aber auch, dass die Einhaltung von Abstands- und Maskengebot nach dem Spiel in der Kabine beim Bier, in den Duschen und beim gemeinsamen Feiern im Club oder der Kneipe, nicht eingehalten wird. Die Kontaktzeiten in der dritten Halbzeit, sind viel länger als auf dem Spielfeld und damit viel gefährlicher für eine Infektion.“
Hier stellen sich für ihn die Frage:
◼ Können wir - um unseren Sport zu schützen - das Bier unter Einhaltung des Abstandsgebots und mit Maske trinken??
◼ Können wir das Duschen zur „Deo-Dusche“ machen und zu Hause duschen?!
◼ Ob die Kneipe oder der Club noch aufhat nach dem Spiel? Das entscheiden nicht die Handballer, sondern die Politik. Vielleicht ist ein zweites Bier zu Hause im kleinen Kreis auch eine Option.

Zum Schluss appelliert der SHV-Präsident an alle: „Es liegt an jedem Einzelnen von uns! Kein Verband kann Infektionen verhindern. Wir wollen den Handball solange als möglich, unter so hohen Standards wie nötig, aufrechterhalten. Damit wir das ermöglichen können, brauchen wir jeden.“
Zum Seitenanfang