HG Oftersheim/Schwetzingen unterliegt Titelfavorit Nußloch nur hauchdünn.


Einen Treffer steuerte Daniel Hideg in der Handball-Bundesliga unter der Woche für die Friesenheimer Eulen in Flensburg bei seinem Kurzeinsatz bei. Ein ganzes Dutzend versenkte er dann sonntags in der Drittliga-Partie mit seinem Heimatverein HG Oftersheim/Schwetzingen gegen die SG Nußloch. Doch es sollte nicht reichen, der Hausherr unterlag hauchdünn mit 25:26 (11:12). Mehrfach hatte die HG ihren Gast schon am Haken, ließ ihn aber immer wieder entgleiten.

Es war ein Derby, das seiner Stellung absolut gerecht wurde. Die Ränge waren schon vor Anpfiff bis zum Bersten gefüllt (850 Zuschauer/ausverkauft). Mit einer großen Abklatscherei unter den Protagonisten startete die Begegnung, dann ging es gleich richtig zur Sache. Trotz einer frühen Zeitstrafe (Philipp Müller hatte Hideg von den Beinen geholt), führte der Favorit zunächst 6:3 und 7:4, als HG-Trainer Holger Löhr seine Jungs zur ersten Besprechung zusammentrommelte und neue Anweisungen verteilte.

„Die Umstellung auf eine 5:1-Deckung hat uns dann nicht geschmeckt“, gab Nußlochs Coach Christian Müller später auch zu. „Wir waren zu statistisch, haben uns viele Würfe zu früh genommen.“ So schickte er seinerseits nach Auszeit und 7:8 SGN-Star Christian Zeitz zu dessen Drittliga-Debüt ins Rennen. Zeitweilig hatte den früheren Kieler sein direkter Gegenspieler Simon Förch ganz gut im Griff. Dann wich der vielfache Titelträger aber auf andere Positionen aus und markierte knallhart seine sieben Treffer und brachte einige überraschende, aber dennoch präzise Anspiele an den Mann.

Als gefährlichsten Mann hatte Löhr indes Spielmacher Kevin Bitz identifiziert, gegen den sich die offensive Deckungsformation mit Alexander Sauer auf der Spitze überwiegend richtete. Auf HG-Seite wurde dafür Valentin Demel immer wieder auf der Mitte gebrachte, um Akzente zu setzen. Unter seiner Anleitung machte der Gastgeber unter frenetischer Anfeuerung den einen oder anderen Rückstand wett. (Löhr: „Das war sehr ordentlich, der ‚Valle‘ spielt sich gut ins Team rein.“) So hatte nach der einmaligen Führung der HG beim 13:12 Nußloch das überfallartige Konterspiel für sich entdeckt und zog davon (14:19). Aber die SGN machte auch Fehler und der Außenseiter biss sich in seinem Kielwasser fest (17:19). „Selbst wenn die HG mit zehn Toren hinten liegt, darf Du sie nie unterschätzen, die kommen immer wieder zurück“, wusste SGN-Co-Trainer Mario Donat aus leidvoller Erfahrung.

Auch das 23:26 von Zeitz mehr als vier Minuten vor dem Ende bedeutete noch nicht die Entscheidung. Hideg (wer sonst?) brachte seine „Roten“ wieder heran (59.), die Angriffe der „Blauen“ wurden Beute vom dritten HG-Keeper Maximilian Herb oder der Deckung und die Halle stand Kopf und auf den Rängen, als die Heimischen den letzten – dann allerdings vergeblichen – Angriff führten. Die Punkte blieben beim Favoriten, aber auch Oftersheim/Schwetzingen hat gewonnen, in den Herzen der Zuschauer, und sicherlich auch Respekt bei der Liga-Konkurrenz. Die Anhänger dankten den Akteuren um die Kapitäne Sauer und Förch für dieses Spektakel mit langen anhaltenden Beifallsstürmen. Und die erste Enttäuschung wich auch bald einem gewissen Stolz, sich dieser Übermacht nicht kampflos ergeben zu haben. Denn auch eine Klatsche war im Vorfeld nicht ausgeschlossen gewesen.

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„Kann Hideg ja nicht gegen ‚Zeitzi‘ stellen“

Holger Löhr, der sich zunächst herzlichst bei den Fans bedankte: „Ich war schon enttäuscht, wollte unbedingt gewinnen, auch wenn Nußloch auf dem Papier der große Favorit war. Wir haben aber dagegengehalten. Und 26 Gegentore ist auch in Ordnung. Wir mussten weitgehend mit acht, neun Männern durchspielen, weil wir junge hintendran haben, die noch nicht so weit sind. Aber wir können zufrieden sein, können  stolz sein, haben ein Team mit viel Potential und die Jungs haben richtig Bock.“

Zu Daniel Hideg: „Bei uns ist er nicht zu ersetzen. Im Angriff hat er noch einen gewaltigen Zahn zugelegt, aber sein Thema ist die Abwehrarbeit. Ich kann ihn ja (noch) nicht gegen ‚Zeitzi‘ stellen.“

„Dafür ist die HG zu stark“

Christian Müller, der ebenfalls froh über die starke Unterstützung der Zuschauer war: „Das war ein echtes Derby. Wir sind nicht hierher gefahren und haben sicher nicht gedacht, das läuft von alleine, dazu ist die HG zu stark. Wir haben uns besonders nach der Abwehrumstellung sehr schwer getan. Aber wir haben den Sieg geholt und weiter zu null Punkte, das zählt. Doch wir müssen sowieso immer 100 Prozent geben, um Erfolg zu haben.

Zu Christian Zeitz: „Auch mit ihm klappt noch nicht alles in der Abstimmung, er hat erst kurz mit dem Team trainiert. Das braucht noch seine Zeit.

HG: Bauer, Gabel, Herb; Barthelmeß, Jansen (5), Förch (1), Zipf, Jungmann, Demel (2), Mehl (1), A. Sauer (4), Hideg (12/1), Krepper, Kubitschek.

SGN: M. Bitz, Lieb (1); Kuch, Crocoll, Müller (1),Zeitz (7), Geppert (1), Bonelli, Gäßler, Schmitt, Buse, K. Bitz (2), Gerdon (5), Herrmann (9/3), Ganshorn.

HG Oftersheim/Schwetzingen  SG Nußloch

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