Nach 20 desaströsen Handball-Minuten (4:10), weiteren 20 akzeptablen Zeigerumdrehungen (14:21) schaffte es die HG Oftersheim/Schwetzingen anders als angekündigt auf eigenem Boden in der Jugend-Bundesliga, der TSG Münster "nur" mit 27:29 (10:16) zu unterliegen. Wäre ein weiterer Siebenmeter versenkt worden, ein finaler Konter im Netz gelandet, hätte es fast gar zum Remis gereicht. Ein klassischer Fall von "zu spät aufgewacht".

Die Ausgangsvoraussetzungen waren zwar alles andere als optimal, aber dies wollte Chefcoach Christoph Lahme nicht als Ausrede für die anfängliche Vorstellung gelten lassen. Leon Haase fehlte nach einer Wirbelsäulenverletzung vom Vorabend in der 3. Liga wie der schon länger ausfallende Till Nasgowitz (Ellenbogen) sowie Stammtorhüter Tim Rabe (Quarantäne). Die anfängliche Fehlerflut (19 nicht erfolgreich abgeschlossene Angriffe in Hälfte 1) lässt sich darin nicht begründen. Der Trainer wollte mit seinen Jungs nicht zu hart ins Gericht gehen: "Nach 190 Tagen Wettkampfpause muss man den Jungs den einen oder anderen Fehler mehr zugute schreiben. Denn genau diese technischen Fehler waren maßgeblich fur unseren Sechs-Tore-Rückstand."

In der Abwehr wurden phasenweise schon früh gute Ansätze gezeigt, aber bei gegnerischen Schnellangriffen war die Deckung eben nun einmal einfach nicht zur Stelle. Torhüter Max Botterer war da ziemlich auf sich gestellt. Dieser bot aber dann in der zweiten Spielhälfte eine tadellose Leistung und lieferte seinen Vorderleuten mit die Grundlage, eine Aufholjagd zu starten, die dann allerdings nicht ganz zu etwas Zählbarem reichte. Dabei startete die Ergebniskorrektur in einer Phase, in der der Gastgeber mehrfach durch Hinausstellungen dezimiert war. Millimeterweise robbten sich die Hausherren an die Führenden heran (19:23, 21:24 25:27). Lahme lobte den kämpferischen Einsatz: "An diese letzten 20 Minuten gilt es, nächste Woche anzuknüpfen." Dann sind die Rhein-Neckar-Löwen zu Gast. "Da lief der Ball flüssiger, die Chancen wurden konsequenter genutzt." Am Ende wurde mit offener Deckung sogar versucht, den Sieg zu erzwingen. Fest zu halten bleibt für ihn: "Es ist schön, die Jungs wieder auf der Platte zu sehen, die sich endlich wieder mit Gleichaltrigen messen dürfen.

Die HG kam recht unverhofft in den Genuss dieses Heimspiels, weil im Landkreis des Gegners irgendwann im Laufe der Woche auffiel, dass nach dessen Auslegung der neuen Coronabestimmungen, der Trainings- und Spielbetrieb zu verbieten sei. Freitagnachmittag folgte dann die Absage, Oftersheim/Schwetzingen sprang kurzfristig und unbürokratisch ein.

HG: Botterer, Lang; Polifka (3), Zaum (2), Merkel (10/6), Kern (1), Grimm (1), Zimprich (4), Trunk (2), Grausam (1), Thüre (3), Aslan.

Neu ins Drittligateam wird zur nächsten Saison Nils Nasgowitz kommen. Der Rückraumakteuer, der ursprünglich der TSG Weinheim entstammt, ist bei der HG absolut kein Unbekannter. Er nahm 2016 am Qualifikationsmarathon zur Jugend-Bundesliga teil. Spielte nach der in der bundesweiten gescheiterten Ausscheidung in Ahlen mit Barthelmeß und Krämer für die JSG Leutershausen/Heddesheim in der Bundesliga, kam zuvor aus der B-Jugend der SG Kronau/Östringen.  Gemeinsam mit David-Denny Hirsch, Maximilian Herb, Max Barthelmeß gehörte der 21-Jährige 2012 dem „Team Baden 99“, der Landesauswahl an. Mit Krämer, Herb und Barthelmeß schaffte er es bis nach Berlin ins Länderpokalfinale. 2018/19 bis 20/21 spielte er, dessen Eltern in Schwetzingen leben, studienbedingt für HBV Jena in der Mitteldeutschen Oberliga. Nasgowitz ist auf allen Rückraumpositionen variabel einsetzbar.

Zum Seitenanfang