Mit Rückenwind nach Berlin: Nach dem 28:13 (9:6) im finalen WM-Testspiel gegen Argentinien in Kiel herrscht Optimismus im deutschen Lager.

 

Stimmen zum Spiel
Bundestrainer Christian Prokop zum Spiel: Wir fahren mit einem Gefühl nach Berlin und freuen uns, dass es losgeht. Kiel hat uns ein tolles letztes Spiel beschert, uns toll begrüßt und unterstützt, daher geht ein großer Dank an das Kieler Handballpublikum, das war eine Verabschiedung, wie wir sie uns gewünscht hatten.

In der zweiten Hälfte war unser Spiel nahe am Optimalfall, in der gesamte Spielzeit haben wir eine sehr konzentrierte Deckung gespielt. Ich bin sehr zufrieden mit unseren beiden Torhütern und unserem Innenblock, egal in welcher Besetzung. Mit der starken Deckung haben wir das Tempospiel an uns gerissen. In der ersten Hälfte hatten wir noch Sand im Angriffsgetriebe, das haben wir in der Pause besprochen und korrigiert. Unsere Erkenntnis: Als Team haben wir viele variable Möglichkeiten auf vielen Positionen, das bleibt das A und O des deutschen Teams, aus der Breite zu kommen.

Den freien Tag am Montag werde ich mit der Familie verbringen, kurz abschalten, dann mit guter Stimmung nach Berlin reisen. Es wird ein gigantisches Gefühl, in einer solchen Halle zu spielen.

Zur Kadernominierung: Das war eine sehr enge und schwere Entscheidung, die 18 Spieler haben uns seit Oktober immer begleitet, jeder hat seinen Anteil, dass wir auf einem so hohen taktischen Niveau sind. Die Entscheidung ist im Sinne der stärksten Mannschaft ausgefallen, taktische Beweggründe haben eine Rolle dafür gespielt, dass wir nur einen Rechtaußen mitnehmen, da haben Nuancen den Ausschlag gegeben. Denn so haben wir mehr Variabilität auf anderen Positionen. Tim Suton ist wichtig für die Zukunft und soll sich ranpirschen, er hat jeden Lehrgang mitgemacht, er könnte uns im Fall der Fälle also ohne Probleme im Turnier helfen.

Hendrik Pekeler: Im Positionsangriff haben wir noch Defizite, daher war es gut, dass uns die Argentinier mit ihrem spanischen Abwehrstil anfangs getestet haben. Wir wollen hohes Tempo und viele einfachen Gegenstoßtore machen, das ist uns phasenweise gut gelungen. Unsere Abwehr und unsere Torhüter waren heute überragend – und die Stimmung in der Arena war sensationell. Das war schon ein Ausblick auf das, was uns in Berlin erwartet. Ich fahre mit einem guten Gefühl zur WM, wir haben zweimal deutlich gewonnen, es kann losgehen!

Paul Drux: Unsere Deckung und unsere Torhüter waren über 60 Minuten sehr stark, aber im Positionsangriff haben wir noch einige Probleme gehabt – allerdings war die Zahl der technischen Fehler im Vergleich zum Tschechien-Spiel schon deutlich geringer gewesen. Wir haben eine tolle Stimmung in der Mannschaft und alle reisen mit guten Gefühlen zur WM.

Steffen Weinhold: Die Atmosphäre in der Halle war super, die Deckung stand klasse. Am Spielfluss im Positionsangriff müssen wir noch etwas arbeiten, aber in der Summe war das ein gelungener Test. Ich denke, alle sind froh, wenn es jetzt endlich losgeht. Die Torhüter und die Abwehr geben uns die nötige Sicherheit und heute hatten wir auch weniger technische Fehler als am Freitag und daher auch weniger Gegenstoßtore kassiert. Ich freue mich jetzt richtig auf eine tolle WM.

Manolo Cadenas, Nationaltrainer Argentinien: Das war eine ganz tolle Atmosphäre, es war ein Traum für Argentinien hier heute zu spielen in einer tollen Halle. Unser Start war gut, weil die Abwehr gut stand. Wenn du gewinnen willst, musst du treffen und das haben wir heute nicht, Deutschland hat fantastisch gespielt. In den nächsten Tagen müssen wir uns im Angriff erheblich steigern, wir haben jetzt noch ein Testspiel in Prag gegen Tschechien, dann geht es nach Kopenhagen.

Handballer glänzen bei WM-Generalprobe

Letzter Test bestanden, die Heim-WM kann kommen: Die deutschen Handballer haben ihre Generalprobe souverän gemeistert und mit einer Abwehr-Gala gegen Argentinien endgültig Lust auf die Weltmeisterschaft entfacht.

Vier Tage vor dem Turnierstart besiegte die Mannschaft von Bundestrainer Christian Prokop den Panamerikameister mit 28:13 (9:6) und nahm Fahrt auf für den WM-Auftakt am Donnerstag (18.15 Uhr/ZDF) gegen ein vereintes Team Korea.

Bester deutscher Torschütze am Sonntag war erneut Kapitän Uwe Gensheimer mit acht Treffern. In WM-Form präsentierte sich vor allem die Abwehr um den bärenstarken Torhüter Andreas Wolff. Luft nach oben offenbarte hingegen die Offensive, der es im ersten Abschnitt noch an Durchschlagskraft aus der zweiten Reihe fehlte.

Die 9.473 Zuschauer in der Kieler Sparkassen-Arena verabschiedeten die DHB-Auswahl mit der Welle und viel Applaus gen Berlin, wo das Team am Dienstag mit 16 Spielern eintrifft. Nicht dabei in der Hauptstadt sind zunächst Europameister Tobias Reichmann (Melsungen) und Tim Suton (Lemgo), sie waren von Coach Prokop am Sonntag bereits vor der Partie aus dem WM-Aufgebot gestrichen worden.

Der Rahmen in Kiel stimmte, doch das deutsche Team benötigte seine Zeit, um ins Rollen zu kommen. Schwache Abschlüsse, Fehlpässe, technische Probleme: Im gebundenen Angriffsspiel hakte es im ersten Abschnitt gewaltig. Dass Deutschland trotz lediglich drei eigener Treffer nach 18 Minuten nicht höher als 3:5 zurücklag, war vor allem Keeper Wolff und der von Abwehrchef Finn Lemke dirigierten Defensive zu verdanken. Die zahlreichen Ballgewinne sorgten schließlich auch dafür, dass es am Ende doch mit einer Führung in die Pause ging.

Im zweiten Durchgang zog der DHB-Express dann an. Vor allem die Einwechslungen von Steffen Fäth und Neuling Franz Semper brachten reichlich Schwung, so dass Deutschland schnell auf 17:8 davonzog. Und auch Silvio Heinevetter, bei der WM die Nummer zwei im deutschen Tor, brachte sich in der Schlussphase auf Turnier-Temperatur.

Deutschland - Argentinien 28:13 (9:6)
Deutschland: Wolff, Heinevetter; Gensheimer (8), Lemke, Wiencek (1), Wiede (1), Pekeler (3), Weinhold (1), Strobel (2), Fäth (3), Groetzki (1), Semper (2), Musche (1), Böhm (2), Kohlbacher (1), Drux (2)

Argentinien: Schulz, Maciel (1), F. Fernandez (1), S. Simonet, Pizarro (1), P. Simonet (2), Baronetto (4), Vieyra, Moscariello, J. Fernandez, Carou, Crivelli, Fischer, Martinez (2), Mourino, Parker (1), Bonanno - Siebenmeter: 6/6:1/1. - Zeitstrafen: 5:4. - Zuschauer: 9473.

Deutscher Handballbund  Handball Weltmeisterschaft Männer 2019

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