Sieben Tore zurück: U23 der HSG Konstanz feiert mit vier Feldspielern „überragend wichtigen Auswärtssieg“.


Spiele der Konstanzer U23 sind nichts für schwache Nerven. Wieder einmal lieferte sich die Zweitliga-Reserve der HSG einen verrückten Kampf in Fellbach. Nach einem denkwürdigen Spiel, an das beide Seiten lange zurückdenken werden, feierten die Gelb-Blauen den fünften Sieg in Serie (34:33) und schoben sich mit 11:5 Punkten auf Platz drei der Oberliga.

Dabei schienen Punkte schon vor dem Anpfiff in weite Ferne gerückt zu sein. Mit Samuel Löffler, Benjamin Schweda, Jonas Löffler, Balthes Reiff und Lukas Herrmann fehlten gleich fünf wichtige Spieler. Gerade im Rückraum war die Not so groß, dass Trainer Matthias Stocker gezwungenermaßen sein Comeback geben musste. „Das war nicht gut“, meinte er zwar hinterher – aber der ehemalige Zweitliga-Spieler konnte es nach zwei Treffern auch mit einem Lächeln sagen und stellte gleich klar: „Ich hoffe, dass das nie wieder vorkommt. Ich brauche jetzt erst einmal ein paar Tage.“ Sein Part auf der Bank war in Co-Trainer Fabian Wiederstein und Kapitän Benjamin Schweda in besten Händen.

Die angespannte Personaldecke war jedoch bei weitem nicht alles, was außergewöhnlich war. Es überschlugen sich förmlich die Ereignisse. Vor allem in der ersten Halbzeit kann dies wörtlich verstanden werden. Fellbach witterte gegen das Konstanzer Rumpfteam seine Chance und setzte angesichts des schmalen Aufgebots der Gäste auf gnadenloses, extrem hohes Tempo. „Scheibenschießen“, nannte Stocker das, was in den ersten 30 Minuten mit 40 Toren passierte. Die Württemberger hatten sich so schon eine 22:18-Führung erarbeitet. Wenn die Chancen auf einen Auswärtssieg der HSG-Talente schon vor dem Anpfiff nicht besonders groß waren, so waren sie nun weiter drastisch gesunken. Viel sprach nicht mehr für den arg gebeutelten Gast.

Nach etwas mehr als 35 Minuten hakten viele Beobachter die Partie wahrscheinlich endgültig ab. Fellbach erzielte das 27:20 und Konstanz war angezählt, wenn nicht gar kurz vor dem K.o. Doch nun begann erst die wundersame Auferstehung der nimmermüden verbliebenen Kämpfer, die noch einmal alles mobilisierten – und erstaunlicherweise trotz des kleinen, improvisierten Kaders über die größeren Kraftreserven zu verfügen schienen. Fellbach ließ jetzt merklich an Geschwindigkeit nach, während die Fehlerquote deutlich stieg. Durch einen 5:0-Lauf und einige Gegenstöße war der Rückstand der Gäste innerhalb von nur vier Minuten auf nur noch zwei Treffer geschmolzen. 25:27, das Stocker-Team hatte nun Oberwasser.

Mit ganz viel Leidenschaft stemmte sich Konstanz in einer immer besser werdenden 3:2:1-Deckung gegen die drohende Niederlage, hatte in Moritz Ebert dabei einen hervorragenden Rückhalt und wurde durch den zahlreich und lautstark vertretenen HSG-Fanclub nach vorne gepeitscht. Ein nicht zu unterschätzender Faktor, wie Stocker verriet. „Da war ein super Support. Die Jungs sind einfach verrückt und können wohl kein Wochenende ohne Handball sein, wenn die Bundesligamannschaft spielfrei hat. Das hat sicher dazu beigetragen, dass sich die Jungs auf dem Spielfeld nie aufgegeben haben.“ Doch es sollte bis zur 56. Spielminute dauern, bis der umjubelte Ausgleich zum 32:32 durch Joel Mauch fallen wollte. Dann setzte Jerome Portman der nicht mehr für möglich gehaltenen Aufholjagd die Krone auf und traf zum 33:32 für seine Farben, musste aber kurz darauf auf die Strafbank. Doch wieder Joel Mauch war es, der sich gegen die offene Deckung der Hausherren in Unterzahl durchtankte und zum 34:32 traf. Damit war aber immer noch längst nicht Schluss. Kai Mittenddorf musste nach seiner dritten Zeitstrafe ebenfalls vom Feld und Konstanz die letzten 74 Sekunden mit nur vier Feldspielern überstehen. Noch 42 Sekunden waren auf der Uhr, als Fellbach zum Anschlusstreffer kam. Doch die HSG spielte den letzten Angriff clever bis Sekunden vor Schluss aus und ließ keinen Gegenangriff mehr zu. Dann brachen alle Dämme. Fellbach musste wieder einmal eine bittere, ganz knappe Niederlage hinnehmen, die Konstanzer feierten trotz vieler Widrigkeiten einen irren Sieg. Stocker jubelte: „Nur elf Gegentore in der zweiten Hälfte, das war stark. Darauf können die Jungs stolz sein. Für uns war der Sieg überragend wichtig, um uns weiter von unten abzusetzen.“ (Bild: Michael Elser )

HSG Konstanz U23: Moritz Ebert, Sven Gemeinhardt (beide Tor); Joel Mauch (4/1), Kai Mittendorf, Jerome Portmann (6), Pascal Mack (1), Felix Fehrenbach (1), Matthias Stocker (2), Lars Michelberger (4), Carl Gottesmann (2), Patrick Volz (11/3), Hendrik Dahm, Simon Storz (3).
Zuschauer: 220.

SV Fellbach  HSG Konstanz

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