Schutterwalds Tim Heuberger (r.) hatte auf der für ihn ungewohnten Kreisposition einen schweren Stand gegen die Abwehr des TSV Neuhausen/Filder. ©Peter Heck
Die Oberliga-Handballer des TuS Schutterwald haben am Samstag in der Mörburghalle aus einem 20:26 noch ein 26:26 gegen den TSV Neuhausen/Filder gemacht. Die Grüne Karte verhindert sogar noch den ersten Saisonsieg.

Nach einer irren Aufholjagd von 20:26 auf 26:26 entschieden am Samstag Bruchteile von Sekunden über Sieg oder Unentschieden beim TuS Schutterwald in der Oberliga-Partie gegen den TSV Neuhausen/Filder. Während Nico Baumann bereits die grüne Karte zur Auszeit gelegt hatte, traf Cousin Christoph Baumann zum vermeintlichen 27:26. Die Hallenuhr zeigte da noch drei Sekunden Spielzeit an. Nach der Auszeit nahm der TuS-Regisseur einen neuen Anlauf, sein Wurf wurde diesmal abgeblockt. „Ich nehme es auf meine Kappe“, meinte TuS-Coach Nico Baumann – allerdings: Die Grüne Karte lag schon länger auf dem Tisch. Und mit einem Punkt war der TuS auch zufrieden.

Tim Heuberger am Kreis
Vorausgegangen war eine Wende in einem Spiel, das der letztjährige Tabellendritte aus Neuhausen mit Antreiber Hannes Grundler ab Mitte der ersten Hälfte eigentlich dominiert hatte. Nach zwei deutlichen Auftaktniederlagen begannen die Schutterwälder sehr engagiert. Auch ein 9:11-Rückstrand brachte die Mannschaft zunächst nicht aus dem Rhythmus. Tim Heuberger, der am Kreis spielen musste, weil nicht nur der langzeitverletzte Rene Wöhrle fehlte, sondern auch Pascal Fleig weiterhin an Knieproblemen laboriert, und Julian Seigel per Tempogegenstoß sorgten für den Ausgleich. Kurz vor der Pause setzte sich der Gast dann aber auf 17:14 ab.

TSV-Keeper Becker überragend
Durchgang zwei geriet zunächst zur Ein-Mann-Show von Neuhausens Torwart Magnus Becker. Der Ex-Zweitliga-Keeper zog die Bälle nahezu magnetisch an. In Halbzeit zwei musste er erstmals in der 45. Minute das Wurfgerät aus seinem Kasten holen. Michael Herzog hatte da per Heber zum 18:22 verkürzt. Bei den bis dahin drei Treffer des TuS in Durchgang zwei stand Becker nicht im Kasten drin. Zweimal hatte er ihn wegen eines Überzahlspiels verlassen, was TuS-Torwart Raphael Herrmann zu zwei Toren nutzte, einmal traf Baumann per Siebenmeter gegen den zweiten Torwart.

Sechs-Tore-Rückstand
Zwischenzeitlich lag Schutterwald bereits mit sechs Toren in Rückstand (16:22). Als der Favorit dann in der 53. Minute auf 26:20 erhöhte, „hätte keiner wohl noch einen Cent auf uns gesetzt“, mutmaßte Nioco Baumann.
Doch peu à peu kämpfte sich sein Team zurück, profitierte dabei auch davon, dass Hannes Grundler bei Neuhausen langsam die Kräfte ausgingen. Christoph Baumann eröffnete in der 54. Minute mit dem 21:26 jedenfalls eine denkwürdige Schlussphase. Fehlwürfe, Abspielfehler und Zeitspiel des Gastes nutzten danach Johannes Silberer, Michael Herzog und Philipp Harter zum 24:26. Und als Herzog in Minute 58:42 das 25:26 gelang, waren 130 Zuschauer in der Mörburghalle aus dem Häuschen. Nach einem weiteren Fehlwurf der Gäste netzte dann Harter zum 26:26 ein, ehe die dramatischen Schlusssekunden folgten.
Der Gäste-Rechtsaußen hatte bei seinem Wurfversuch auf einen Strafwurf spekuliert. Doch die Schiedsrichter pfifen Stürmerfoul, und der TuS kam noch mal in Balbesitz, den Christoph Baumann zum eingangs erwähnten 27:26 nutzen konnte, ehe die Auszeit folgte.

Schritt nach vorne
„Ehrlich gesagt, hatte ich nicht damit gerechnet, dass dieser Ball so schnell nach vorne kommt“, gab Nico Baumann zu. Trotz des verpassten Sieges war man in Schutterwald mit dem Punkt aber zufrieden. „Wir hatten heute das Glück, das man braucht. Dieser Punkt war extrem wichtig für die Moral“, atmete der Coach auf. 
Alles in allem sah das Trainerteam mit Nico Baumann und Marco Schiemann einen Schritt nach vorne. „Phasenweise haben wir richtig gut gespielt. Dann lassen wir uns aber wieder verunsichern und treffen falsche Entscheidungen“, weiß Nico Baumann, dass nächsste Zeit noch viel Arbeit bevorsteht. 

Samstag erneut zu Hause
So läuft es im Amgriff nach wie vor nicht rund. Da Felix Zipf und Pascal Fleig derzeit verletzt sind, gibt es nur wenige Alternativen. 20 Tore nach 53 Minuten zeigen auf, wo es hapert. Immerhin konnten sich in dieser Partie die Torhüter mal wieder auszeichnen – in der ersten Hälfte der junge Tobias Moser, in der zweiten Routinier Raphael Herrmann.
Schon am Samstag (19.30 Uhr) spielt der TuS Schutterwald erneut zu Hause. Mit dem TVS Baden-Baden kommt ein weiterer Titelfavorit und nach den Entwicklung der letzten Tage ein weitere Frage auf: Darf noch mit Zuschauern gespielt werden?

Schutterwald – Neuhausen 26:26 (14:17)
Schutterwald:
 Moser (bis 30.), Herrmann (ab 31.) 2, Dold (n.e.); T. Heuberger 3, Langenbacher 1, Hug (n.e.), K. Heuberger, Seigel 1, Zipf (n.e.), Baumann 7/3, Herzog 2, Fleig (n.e.), Harter 7, Silberer 3.
Neuhausen: Prauß, Becker; Distel 2, Durst, Bader, Letzgus 3, Maier, Grundler 11/1, Reinhardt 4, Scheffold, Roos, Keppeler 5, Wittke 1.

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