Spieler und Trainer des TV Oberkirch stehen vor „keiner sorgenfreien Rückrunde“.


In der Handball-Oberliga Baden-Württemberg beginnt am Wochenende die Rückrunde. Neuling TV Oberkirch schwächelte in der Endphase der ersten Halbserie und hat nicht mehr viel Luft auf die möglichen Abstiegsränge. Mit Trainer Manfred Derr (Foto) sprachen wir vor dem Rückrundenauftakt (am morgigen Samstag  20 Uhr, Oberdorfsporthalle) gegen die HG Oftersheim/Schwetzingen über Höhen und Tiefen  der ersten Halbserie.

13 Zähler nach 15 Spielen und Rang elf nach der Vorrunde. Wie zufrieden ist der Trainer?
Manfred Derr: Ich bin durchaus mit der Leistung der Mannschaft zufrieden, auch wenn diese in den letzten Spielen abgefallen ist. Unsere Mittel und Möglichkeiten sind begrenzt, das war klar. Es war nicht zu erwarten, dass wir nach dem super Start in die BW-Oberliga auf dem hohen Niveau die Vorrunde durchziehen werden bzw. können. Dazu laufen zu viele Dinge unrund.

Es hätten also mehr Zähler sein können. Gegen wen wurden die Punkte liegen gelassen, die mehr Sicherheit geben würden mit Blick auf die Rückserie?
Derr: Die letzten beiden Heimspiele gegen den TSV Deizisau und den TV Sandweier muss man nicht verlieren. Aber es gewinnt eben der, der gewinnen will. Und in Bezug auf diesen Willen hatten uns die beiden anderen Mannschaften zumindest im Dezember etwas voraus. Ähnlich verlief es bei dem einen oder anderen Auswärtsspiel, bei dem wir lange mitgespielt haben und wir ohne Not in der zweiten Halbzeit mehrfach deutlich geschlagen wurden. Das ist auch eine Frage der Einstellung und des Engagements.

Nach drei Spieltagen 5:1 Zähler, nach sieben dann 9:5 Punkte, ein richtig guter Start in der neuem Umgebung. Danach ging's bergab. Was waren die Gründe?
Derr: Die gegnerischen Mannschaften lernten uns kennen und haben sich natürlich auf uns besser einstellen können. Wir haben von unserer guten Vorbereitung gezehrt. Im weiterem Verlauf der Saison waren es immer weniger Trainingseinheiten, die wir mit dem Kader komplett durchgezogen haben. So etwas rächt sich dann über kurz oder lang in einer Leistungsklasse, in der man immer 100 Prozent geben muss, zuerst im Training, damit man es im Spiel dann abrufen kann.

Mit Tomas Marusak steht ein ehemaliger Erstliga- und Champions-League-Spieler seit dem 7. Spieltag im Kader. Er konnte noch nicht überzeugen. Woran liegt es, dass er seine Qualitäten bis dato nicht aufs Parkett brachte?
Derr: Tomas Marusak hat bei seinem Einstieg bei uns gute Spiele gemacht und mit der Mannschaft wichtige Punkte geholt, die zum Teil so nicht zu erwarten waren. Mit ihm als Alternative hat er einen starken Beitrag dazu geleistet. Im Lauf der Zeit kamen dann der Beruf und die Familie dazu, was natürlich eine immense Umstellung bedeutet. Da muss dann an allen Rädern geschraubt werden, damit wir die Integration schneller vorantreiben können. Über Weihnachten hatte er Zeit, ein bisschen aufzuholen, gut in den Trainingseinheiten gearbeitet und in Tests wieder gute Resultate gezeigt.

Provokante Frage: Hat der TVO im Kader zu wenig oberligataugliche Spieler?
Derr: Etwa zwei Drittel der Oberliga-Mannschaften haben einen gut bzw. sehr gut besetzen Kader und nahezu in allen Spielen mit 14 Akteuren besetzt. Das bekommen wir nicht hin. Damit sind unsere Wechselmöglichkeiten und Alternativen eingeschränkt, zumal es aktuell aus den eigenen Reihen keinen weiteren oberligatauglichen Nachwuchs gibt. Daran muss man arbeiten - die Trainingsintensität muss erhöht werden, um das WB-Oberliga-Leistungsniveau sicherzustellen. Dafür braucht es Spieler, die dieses Engagement abliefern wollen und können.

In der zweiten Hälfte der Vorrunde bauten sogenannte Führungsspieler - ausgenommen Timo Roll und Gunther Zölle - leistungsmäßig stark ab. Ist das auf die mangelnde Trainingsbeteiligung der Akteure zurückzuführen?
Derr: Irgendwo trägt da jeder sein Päckchen mit sich rum und es gibt in vielen Fällen für fast alles immer eine Ausrede. Die Spieler, die viel und gut trainieren, spielen auch gut und konnten ihre Form über die Vorrunde halten. Da gibt es immer mal ein Spiel, das ein bisschen besser läuft und vielleicht auch mal schlechter. Andere Spieler, die aufgrund von äußeren Bedingungen nicht so viel trainieren bzw. ein intensives Engagement nicht einbringen können, bauen stark ab oder sind sehr unbeständig in ihren Leistungen. Das ist aber der ganz normale Alltag und in einer Liga, wie die BWOL wird das sofort offen gelegt.

Welche Konsequenzen zieht der Trainer: die Übungsintensität noch mehr steigern oder gut zureden? Wie oft wurde nach der kurzen Weihnachtspause trainiert bzw. wie viele Testspiele wurden bestritten?
Derr: Wir arbeiten seriös und solide weiter. Ich biete entsprechende Trainingseinheiten und -inhalte an. Letztlich muss jeder für sich das Beste daraus machen, alles geben und einbringen. Bis an einen bestimmten Punkt kann ich das begleiten. Bei der Ausführung der Trainingsübung oder  Übungseinheit ist aber der Spieler gefragt und im Test- oder Punktspiel bekommt er dann den Spiegel vorgehalten. Ein Großteil der Spieler hat über die Weihnachtspause gut mitgezogen und wir haben als Ergebnis auch ein gutes Testspiel beim Plobsheim OHC abgeliefert. Mit einem Sieg in der Tasche konnten wir die Heimreise aus Frankreich antreten.

Bei fünf möglichen Absteigern (es können aber auch nur drei sein) hat der TVO einen Zähler Vorsprung auf den ersten Abstiegsrang. Wie kritisch ist inzwischen die Situation bzw. wie groß ist der Druck, der auf der Mannschaft lastet?
Derr: Wir stehen am Anfang der Rückrunde und haben noch 15 Pflichtspiele. Da werden noch viele Punkte verteilt. Ob es dann drei, vier oder fünf Absteiger werden, können wir nicht beeinflussen. Deshalb müssen wir auf jeden Spieltag schauen und dort unser Bestes geben. Der Druck entsteht dann, wenn wir das nicht tun.

Spürt auch der Trainer einen gewissen Druck?
Derr: Der Trainer hat immer Druck.

TV Oberkirch    HG Oftersheim/Schwetzingen

Der Rückrundenauftakt ist schwer: Am Samstag zu Hause gegen Oftersheim/Schwetzingen und am 16. Januar dann das Rückspiel beim TV Sandweier. Wären drei Zähler aus den beiden Partien ein Grundstock für sorgenfreiere Auftritte in den dann folgenden Spielen?
Derr: Wie schon gesagt werden die Karten für die Rückrunde gemischt. Als Aufsteiger haben wir kein leichtes Spiel und kein leichtes Programm. Wir müssen uns in diesen Spielen behaupten und wieder gute Leistungen abliefern. Drei Punkte aus den ersten beiden Spielen gegen Oftersheim und Sandweier zu planen, halte ich für sehr vermessen. Und sorgenfrei werden wir nicht mehr werden.
Ist der Kader am kommenden Samstag im Heimspiel gegen die HG Oftersheim/Schwetzingen komplett?
Derr: Der Kader ist nach aktuellem Stand bis auf Daniel Kepes komplett.

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